Explodierende Edelmetallpreise verändern den Schmuckmarkt grundlegend. Vor allem asiatische Käufer gelten als besonders preissensibel. Ausserdem kann man derzeit einen Materialwandel hin zu Platin und Silber sehen.
Schmuckbranche verliert an Bedeutung
Hohe Goldpreise stellen den globalen Schmucksektor vor grosse Herausforderungen. Kaum ein Marktsegment reagiert so stark auf Preisbewegungen wie die Schmuckbranche. Besonders ausgeprägt ist diese Preissensitivität bei asiatischen Konsumenten. In Ländern wie China und Indien, die zusammen rund die Hälfte der weltweiten Goldschmucknachfrage ausmachen, führen steigende Preise besonders schnell zu einer starken Kaufzurückhaltung. Genau dieses Muster zeigt sich derzeit mit bemerkenswerter Deutlichkeit.
Innerhalb von lediglich zwei Jahren hat sich der Goldpreis mehr als verdoppelt und damit Rekordhochs wie am Fliessband geliefert. Getrieben wurde diese Rally vor allem von Zentralbanken, Grossinvestoren und vermögenden Privatanlegern, die Gold als Absicherung und Wertaufbewahrungsmittel nachgefragt haben. Investoren kann man häufig bei steigenden Preisen sogar eine wachsende Nachfrage attestieren. Für den Schmucksektor hatte die Rekordfahrt des Goldpreises jedoch spürbare Nebenwirkungen.
Lange Zeit galt die weltweite Goldnachfrage aus dem Schmucksektor als bedeutender Preistreiber. Inzwischen ist der Anteil der Schmucknachfrage laut Daten des World Gold Council auf weniger als ein Drittel gesunken. Mit rund 1.200 Tonnen lag die Schmucknachfrage in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 20 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahreswert. Sowohl in Indien als auch in Festland-China brach die Nachfrage im selben Zeitraum sogar um über 25 Prozent ein. Von 2013 bis 2024 reduzierte sich die globale Schmucknachfrage von 2.487,6 auf 1.690,6 Tonnen pro Jahr (–32 Prozent).
Hohe Preissensitivität bei Goldschmuck
Die Gründe sind vielschichtig, aber nachvollziehbar. Preiszuwächse wirken im Schmuckmarkt unmittelbar dämpfend, da Käufe in solchen Phasen häufig aufgeschoben oder reduziert werden. Aus diesem Grund verschiebt sich die Goldnachfrage in andere Marktsegmente und fliesst somit aus dem Schmucksektor ab. Wäre dem nicht so, wäre die Preisexplosion der vergangenen Jahre höchstwahrscheinlich noch drastischer ausgefallen. Dennoch bedeutet dies keineswegs, dass Konsumenten dem Edelmetall vollständig den Rücken kehren. Im Gegenteil: Wertmässig geben Käufer sogar mehr Geld für Schmuck aus als zuvor. Laut WGC unterschritt der Goldschmuckverbrauch von Januar bis September 2025 mit 1.095 Tonnen den vergleichbaren Vorjahreswert zwar um 18 Prozent, übertraf aber damit den im Jahr 2020 markierten Tiefstand von 894 Tonnen. Wichtig zu wissen: Der weltweite Wert der seit Jahresbeginn gekauften Goldschmuckmenge hat mit 112 Milliarden Dollar ein neues Rekordhoch erreicht und den Vorjahreswert um 14 Prozent übertroffen.
Ein Schlüssel liegt im veränderten Kaufverhalten. Konsumenten greifen zunehmend zu leichteren Schmuckstücken mit geringerem Goldanteil. In China sind bspw. filigrane, computergestützte Designs im Trend, die mit deutlich weniger Material auskommen, ohne an Eleganz einzubüssen. Parallel dazu erlebt Platin dort eine Renaissance. Das weisse Edelmetall gilt als hochwertig, ist aber im Vergleich zu Gold deutlich günstiger. In Indien wiederum steigt die Nachfrage nach Silberschmuck spürbar, da er eine erschwingliche Alternative darstellt und kulturell fest verankert ist.
Platin und Silber statt Gold?
Problem dabei: Sowohl Platin als auch Silber haben sich 2025 stärker verteuert als Gold. Deren physischer Handel zeichnet sich ausserdem seit Jahren durch anhaltende Angebotsdefizite und einen wenig liquiden Handel aus. Deshalb verzeichnet auch der Silber- und Platinschmuck-Sektor mit Blick auf die Nachfrage gewisse Probleme. So prognostiziert das Silver Institute diesem Segment für 2025 einen Nachfragerückgang um vier Prozent. Bei Platinschmuck rechnet der World Platinum Investment Council für das vergangene Jahr zwar mit einem Anstieg der Nachfrage um sieben Prozent, 2026 könnte es aber wieder um sechs Prozent bergab gehen.
Auch ausserhalb Asiens zeigt sich im Segment Schmuck der Anpassungsdruck. In Deutschland ging die Goldschmucknachfrage im dritten Quartal um rund fünf Prozent zurück. Dieser Rückgang wirkt laut Guido Grohmann – dem Geschäftsführer des Bundesverbands Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrie (BVSU) – jedoch stärker, als er tatsächlich ist. Teile der Branche konnten nämlich auf zuvor günstig eingekaufte Goldbestände zurückgreifen. Zudem zeigt sich das hochpreisige Luxussegment laut Grohmann erstaunlich robust. Dort würde der steigende Goldpreis weniger als Abschreckung wahrgenommen, sondern eher als Bestätigung des materiellen Werts.
Im mittleren und unteren Preissegment würden Käufer hingegen deutlich sensibler reagieren. Niedrigere Legierungen, kleinere Stücke oder der Wechsel zu Silber gewännen an Bedeutung – etwa bei Trauringen. Ausserdem merken Branchenvertreter an, dass erhebliche regionale Unterschiede existieren:
Während Kunden in westdeutschen Grossstädten Goldschmuck teilweise bewusst als Investment betrachten, zeigen sich Käufer in kleineren Städten und in Ostdeutschland in diesem Punkt deutlich zurückhaltender.
Edelmetalle sind knapp und selten
International verstärkt sich mit dem hohen Goldpreis der Trend zur Substitution von Gold, vorwiegend durch Platin, das derzeit deutlich günstiger zu haben ist. Analysten der Bank of America haben in diversen Research-Hinweisen zur Entwicklung der Edelmetallnachfrage mehrfach auf diesen Sachverhalt hingewiesen. In einer aktuellen Analyse zur Entwicklung der Platin- und Palladiumpreise hob die Bank of America hervor, dass mit Goldpreisen auf Rekordniveau ein gewisser Anreiz für Schmuckhersteller entstehe, auf Platin auszuweichen. Dies treffe vor allem auf China zu – dort könne schon eine geringe Verschiebung der Nachfrage von Gold zu Platin das Angebotsdefizit des Weissmetalls deutlich ausweiten.
Doch der Ersatz von Gold durch Platin könnte möglicherweise zu neuen Problemen führen, schliesslich gilt Platin seltener als Gold, was in einer deutlich geringeren Angebotsmenge zum Ausdruck kommt. Während 2024 bei Gold weltweit eine Angebotsmenge von 4.957,3 Tonnen Gold registriert worden war, beträgt das Platinangebot mit etwas mehr als 227 Tonnen lediglich ein Bruchteil dessen. Das heisst: Im grossen Stil wird man Gold wohl nicht durch Platin ersetzen können.
Bildnachweis: Halyna Sakva
Bildnummer: 2247751684
Bildquelle: istockphoto.com
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