In den Medien werden die Opportunitätskosten von Gold immer wieder als Faktor genannt, der die Attraktivität der Krisenwährung mindert. Diese Argumentation verliert mittlerweile aber mehr und mehr an Bedeutung.

Massiver Kaufkraftverlust bei Geld

Geld erfüllt in einer Volkswirtschaft drei klassische Funktionen. Erstens dient es als Tauschmittel, mit dem Waren und Dienstleistungen bezahlt werden können. Zweitens fungiert es als Recheneinheit, über die Preise und wirtschaftliche Werte vergleichbar gemacht werden. Drittens soll Geld als Wertaufbewahrungsmittel dienen – also Kaufkraft über einen längeren Zeitraum erhalten.

Gerade diese dritte Funktion geriet in den vergangenen Jahrzehnten allerdings zunehmend unter Druck. Denn Inflation führt dazu, dass Geld mehr oder weniger schleichend an Kaufkraft verliert. Steigen die Preise, kann man sich für denselben Geldbetrag immer weniger leisten. Bargeld und unverzinste Bankguthaben sind dieser Geldentwertung schutzlos ausgeliefert. Festverzinsliche Anleihen können den Kaufkraftverlust durch Zinseinnahmen verhindern, falls sich mit ihnen mehr als die Inflation „verdienen“ lässt. Unmöglich wird der Kaufkrafterhalt via Anleihen, wenn die Inflationsrate über der Zinsrendite liegt. Dann entsteht nämlich realer Kaufkraftverlust – selbst dann, wenn der Anleger nominale Zinsen erhält. Wer also etwa drei Prozent Zinsen bekommt, aber fünf Prozent Inflation erlebt, verliert real zwei Prozent an Kaufkraft pro Jahr.

Opportunitätskosten verlieren an Schrecken

Gold in Form von Münzen oder Barren verfolgt einen anderen Ansatz. Das Edelmetall zahlt weder Zinsen noch Dividenden. Dennoch hat es sich über Generationen hinweg als Wertspeicher bestens bewährt. Trotz zwischenzeitlicher Kursschwankungen konnte Gold langfristig die Kaufkraft erhalten und dank seiner jüngsten Rekordfahrt mitunter sogar steigern. Historisch betrachtet diente es nicht als kurzfristiges Spekulationsobjekt, sondern als Absicherung gegen Geldentwertung, Währungsabwertung und Vertrauensverluste im Finanzsystem.

Bei der Bewertung von Gold taucht häufig der Begriff der Opportunitätskosten auf. Gemeint ist der entgangene Nutzen, der entsteht, wenn man sich für eine Anlage entscheidet und dadurch auf eine andere verzichtet. Bei Gold bedeutet dies konkret: Wer Gold hält, verzichtet auf mögliche Zinseinnahmen aus Anleihen oder Bankguthaben. Besonders in Phasen hoher Zinsen galt Gold deshalb lange als unattraktiv. Doch genau dieser Rückschluss erweist sich zunehmend als Trugschluss.

Hohe Anleiherenditen sind nämlich weniger ein Zeichen von Sicherheit, sondern sind auch ein Ausdruck steigender Risiken, insbesondere bei nachlassender Schuldentragfähigkeit. Dabei gilt: Je höher die Verzinsung, desto höher bewertet der Markt das Risiko eines solchen Investments. Selbst Staatsanleihen, lange Zeit als „risikofrei“ betrachtet, sind nicht frei von Gefahren. Überschuldung, politische Instabilität oder Vertrauensverluste können im Extremfall zu Umschuldungen, Zwangsanleihen oder realem Kapitalverlust führen.

Hinzu kommt das generelle Kontrahentenrisiko. Anleihen sind stets ein Zahlungsversprechen eines Schuldners – sei es ein Staat oder ein Unternehmen. Ein Totalverlust ist zwar selten, aber keineswegs ausgeschlossen. Gold hingegen ist kein Versprechen, sondern ein physischer Vermögenswert ohne Gegenpartei, der zudem weltweit handelbar ist. Sein Wert hängt nicht davon ab, dass jemand zahlungsfähig bleibt.

Gold verbessert die Unabhängigkeit

Ein weiterer Aspekt stellt die Verfügbarkeit im Krisenfall dar. Bankguthaben und Wertpapierdepots können eingefroren, reguliert oder im Extremfall beschlagnahmt werden. Historische Beispiele zeigen, dass Kapitalverkehrskontrollen oder Sonderabgaben meist dort ansetzen, wo Vermögen leicht erfassbar ist. Physisches Gold ausserhalb des Bankensystems entzieht sich solchen Massnahmen deutlich stärker. Auch die tatsächliche Entwicklung der vergangenen Jahre relativiert das Argument hoher Opportunitätskosten. Die mehrjährige Goldpreisrally hat potenzielle Zinseinnahmen aus Anleihen um ein Vielfaches übertroffen. Während viele Anleger trotz hoher Nominalzinsen real Kaufkraft verloren haben, konnte Gold – trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer – deutlich zulegen. Der vermeintliche „Zinsverzicht“ wurde durch Kursgewinne mehr als kompensiert.

Darüber hinaus bietet Gold einen psychologischen Vorteil: Es ist frei von politischer Steuerung. Zinssätze, Anleihemärkte und Währungen unterliegen Entscheidungen von Notenbanken und Regierungen. Gold hingegen lässt sich nicht beliebig vermehren. Sein begrenztes Angebot wirkt wie ein natürlicher Schutzmechanismus gegen monetäre Experimente. Im Gegensatz zu Geld, kann die Goldmenge weder „auf Knopfdruck“ noch kostengünstig erhöht werden. Grundsätzlich bleibt natürlich festzuhalten: Gold schwankt im Preis. Kurzfristig kann es deutlich fallen, während Anleihen stabil erscheinen. Wer Gold hält, muss diese Kursschwankungen (Volatilität) aushalten können. Doch Stabilität auf dem Papier ist nicht gleichbedeutend mit realer Sicherheit. Ein ruhiger Kurs nützt wenig, wenn die Kaufkraft im Hintergrund schwindet.

Auch wenn Gold stärker schwankt als Staatsanleihen oder Geld, sprechen im aktuellen Marktumfeld viele Argumente für das Edelmetall. Angesichts hoher Verschuldung, anhaltender Inflation und wachsender systemischer Risiken kann man als Goldbesitzer heute höchstwahrscheinlich besser schlafen als Anleiheinvestoren oder Bargeld-Horter – selbst unter Berücksichtigung der oft zitierten Opportunitätskosten.

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