Manuel Koch begleitet die Finanzmärkte seit vielen Jahren – aus Berlin, Frankfurt und von der Wall Street. Im Interview spricht er über Finanzbildung, Börsenkultur und den Blick der Anleger auf Märkte und Chancen.
Herr Koch, wir haben bei pro aurum eine neue Rubrik „Finanzratgeber“ gestartet, weil wir überzeugt sind, dass Anleger heute mehr denn je ein solides Fundament an Wissen brauchen – über Edelmetalle hinaus. Sie verfolgen mit „Inside Wirtschaft“ ein ähnliches Ziel: Orientierung im täglichen Nachrichtenstrom zu geben. Warum ist Finanzwissen aus Ihrer Sicht heute so entscheidend?
Ich glaube, das ist ein ganz wichtiges Thema für jeden von uns – egal, ob es um Steuern geht, darum, wie wir vielleicht unsere erste Wohnung mieten oder finanzieren, oder wie wir unser Geld insgesamt verwalten. Wenn ich an meine eigene Schulzeit zurückdenke, gab es dazu praktisch nichts. Vielleicht gab es einmal eine Stunde, in der es ein wenig um Wirtschaft ging – Börse war eigentlich überhaupt kein Thema, eher sogar negativ besetzt. Ich halte es für besonders wichtig, dass vor allem junge Menschen möglichst früh aufgeklärt werden. Das Interesse ist definitiv da – gerade auf Plattformen wie TikTok oder Instagram. Die jungen Leute machen sich immer mehr Gedanken über ihre Finanzen. Was ihnen oft fehlt, ist eine verlässliche Orientierung – also seriöse Informationen und eine klare Einordnung. Und genau das ist in diesem enormen Überfluss an Inhalten, den wir heute online haben, gar nicht so einfach.
Wie erkennt man seriöse Informationen?
Früher wurde ja gewissermassen schon ausgesiebt, etwa im Fernsehen, weil nicht jeder senden konnte. Heute ist jeder sein eigener kleiner Fernsehsender und kann produzieren, was er möchte. Dahinter stehen natürlich oft ganz unterschiedliche Interessen und auch sehr unterschiedliche Kenntnisstände. Social Media ist heute stark von Infotainment geprägt – also einer Mischung aus Information und Unterhaltung. Reine Nachrichten reichen vielen nicht mehr. Ich versuche das in meinen Beiträgen auf TikTok auch ein Stück weit zu berücksichtigen, sehe mich aber klar als Journalist und nicht als Influencer oder Finfluencer. Deshalb ist das bei mir eher journalistisch aufbereitet. Das kann man nicht überall erwarten – viele machen bewusst unterhaltsame oder lustige Inhalte. Das ist auch völlig in Ordnung, solange die Informationen seriös und korrekt sind. Und genau da liegt oft das Problem. Deshalb: gesunden Menschenverstand einschalten, sich Zeit nehmen, informieren, viel lesen – und auch klassische Medien nutzen. Und vor allem: einen realistischen Blick behalten. Denn das Narrativ „von null auf reich“ hält einer nüchternen Betrachtung in den seltensten Fällen stand.
Wie sieht aus Ihrer Sicht ein gutes Anlegerdepot im Jahr 2026 grundsätzlich aus?
Gold ist für mich so etwas wie das Fundament meines Hauses. Es steht stabil und gibt eine gewisse Sicherheit – auch wenn es natürlich, wie jedes Finanzprodukt, Schwankungen unterliegt. Aber es bietet eine Stabilität, die man bei vielen anderen Anlageklassen so nicht findet. Ich bin schon seit vielen Jahren ein grosser Fan von Gold – nicht erst seit dem Boom der letzten Jahre.
Neben Edelmetallen – dazu zählt für mich auch Silber – spielen Aktien eine zentrale Rolle in meinem Depot. Ich würde das gar nicht zu stark prozentual festlegen, weil ich persönlich auch viel in Kunst investiere und sich dadurch meine Gewichtung etwas verschoben hat. Für einen klassischen Anleger würde ich aber sagen: Edelmetalle vielleicht im Bereich von fünf bis zehn Prozent, eventuell auch etwas mehr. Aktien könnten etwa 70 Prozent ausmachen.
Sie waren als Journalist direkt an der Wall Street und haben von der New York Stock Exchange und der Nasdaq berichtet. Können Sie uns einmal schildern, worin sich die amerikanische von der deutschen Börsen- und Investitionskultur unterscheidet?
Der Unterschied ist vor allem kulturell: In den USA hat der Kapitalmarkt eine ganz andere Bedeutung im Alltag. Das spürt man schon an der Börse selbst – etwa bei der Opening Bell in New York, die regelrecht inszeniert wird und eine enorme Energie hat. In Deutschland ist das deutlich nüchterner. Der entscheidende Punkt liegt aber dahinter: In den USA müssen sich viele Menschen stärker selbst um ihre Altersvorsorge kümmern. Dadurch sind sie automatisch näher am Kapitalmarkt, verfolgen Entwicklungen und kennen Unternehmen. Aktien und Investments sind dort viel selbstverständlicher Teil des Alltags – während sie in Deutschland oft noch skeptischer betrachtet werden.
Bildnachweis: Manuel Koch
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