Trotz anhaltender Krisen zeigte sich der Goldpreis im Juni ohne klaren Trend. Zeitweise rutschte er sogar unter die Marke von 4.000 Dollar und markierte damit das niedrigste Niveau seit über acht Monaten.
Zinssorgen bremsen Goldpreis aus
Der Goldpreis zeigte im Juli einen wechselhaften Verlauf und wies bei Redaktionsschluss ein markantes Plus von drei Prozent aus (Stand: 23.07.26). Nach dem schwachen zweiten Quartal setzte das Edelmetall zunächst zu einer kräftigen Erholung an und näherte sich wieder der Marke von 4.200 Dollar. Danach drehte die Stimmung jedoch erneut. Steigende Ölpreise, wachsende Inflationssorgen und höhere Zinserwartungen liessen den Goldpreis wieder in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 Dollar fallen.
Auslöser der ersten Aufwärtsbewegung waren vor allem schwächere Konjunkturdaten aus den USA. Enttäuschende Arbeitsmarktdaten schürten die Hoffnung, dass die US-Notenbank ihren restriktiven geldpolitischen Kurs früher als bislang erwartet lockern könnte. Gleichzeitig sorgten niedrigere Ölpreise für nachlassende Inflationsängste. Zusammen mit einem schwächeren Dollar verbesserte dies das Umfeld für Gold. Nach den deutlichen Kursverlusten im zweiten Quartal nutzten zudem zahlreiche Anleger die niedrigeren Notierungen für Käufe, was die Erholung zusätzlich unterstützte.
Doch die positive Stimmung hielt nicht lange an. Mit der erneuten Eskalation des Konflikts zwischen den USA und Iran ging es mit den Ölpreisen wieder steil bergauf, was die Sorge vor einem erneuten Inflationsschub verstärkte. Dabei rückte die Erwartung in den Vordergrund, dass die US-Notenbank die Zinsen länger hoch halten oder bei anhaltendem Inflationsdruck sogar weiter anheben könnte.
Belastet wurde der Goldpreis zusätzlich durch steigende Renditen von US-Staatsanleihen und einen festeren Dollar. Höhere Anleiherenditen erhöhen die Opportunitätskosten einer Goldanlage, da das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Ein stärkerer Dollar verteuert Gold zudem für Käufer ausserhalb der USA und dämpft dadurch häufig die Nachfrage. Zum Monatsende zeigte sich der Goldpreis indes resilient und profitierte von „Schnäppchenkäufen“.
Der Juli verdeutlichte damit erneut, wie eng die Entwicklung des Goldpreises mit den Erwartungen an Inflation und Geldpolitik verknüpft ist. Während zu Monatsbeginn Hoffnungen auf sinkende Zinsen dominierten, rückten im weiteren Verlauf steigende Energiepreise und die Aussicht auf ein länger anhaltendes Hochzinsumfeld in den Mittelpunkt. Entsprechend schnell kehrte sich auch die Stimmung am Goldmarkt um.
Deutlich höhere US-Leitzinsen zum Jahresende?
Derzeit gilt es an den Finanzmärkten als sehr wahrscheinlich, dass die US-Leitzinsen Ende des Jahres ihr jetziges Niveau übertreffen werden. Mittlerweile zeigt das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group eine Wahrscheinlichkeit von 34 Prozent an, dass wir Mitte Dezember mindestens eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte sehen werden. Der Wert für mindestens zwei Zinserhöhungen um insgesamt 50 Basispunkte beläuft sich auf über 37 Prozent.
Robert Hartmann, der Edelmetallexperte und Mitgründer von pro aurum, sieht diese Sorgen der Anleger relativ gelassen und merkt an, dass die betroffenen Zentralbanken angesichts der riesigen globalen Staatsverschuldung gar keine andere Wahl haben, als negative Realzinsen (Inflation > Zins) herbeizuführen. Er sagt: „Auf diese Weise können sich Staaten über Jahre und Jahrzehnte leichter entschulden. Die Schulden werden dann mit abgewertetem Geld zurückgeführt. Steigt nominal die Wirtschaftsleistung an, relativiert sich damit die Höhe der Staatsschulden.“ Für Sparer sei dies allerdings eine schlechte Nachricht, während der Goldpreis davon langfristig weiter profitieren dürfte.
Heftige Korrektur bei Gold und Silber
Silber hat sein diesjähriges Allzeithoch mittlerweile um 51 Prozent unterschritten, bei Gold beläuft sich das Minus auf 26 Prozent. An den Finanzmärkten werden Kursrückschläge von über 20 Prozent als Indiz für einen Wechsel vom Bullen- in den Bären-Modus interpretiert. Mehrere renommierte Edelmetallanalysten wie Jeff Clark (The Gold Advisor), Nicky Shiels (MKS PAMP) oder Gary Wagner (Kitco) vertreten allerdings die Ansicht, dass Korrekturen von 20 bis 30 Prozent in langfristigen Edelmetall-Haussephasen historisch keine Seltenheit sind und nicht automatisch das Ende des Aufwärtstrends bedeuten.
Bei Silber kommt erschwerend hinzu, dass die Marktliquidität deutlich geringer ausfällt als bei Gold. Starke Veränderungen von Angebot oder Nachfrage können zu massiven Verwerfungen führen. So wurde zum Beispiel im Juli bekannt, dass die Silberimporte Indiens nach dem Rekordniveau des vergangenen Fiskaljahres drastisch eingebrochen sind. Hintergrund waren vor allem verschärfte Importvorschriften sowie eine deutliche Anhebung der Einfuhrzölle, wodurch sich Silberimporte für Händler erheblich verteuerten. Im Mai brachen die Einfuhren gegenüber dem Vorjahresmonat von 534,3 Tonnen auf 46,8 Tonnen (-91 Prozent) ein. Viele Marktbeobachter sehen darin jedoch keinen Hinweis auf eine dauerhaft schwächere Nachfrage. Langfristig sprechen die starke industrielle Nachfrage, die enorme Bedeutung Indiens als einer der weltweit grössten Silberverbraucher sowie das seit 2019 zu beobachtende Angebotsdefizit (ohne ETPs) weiterhin für ein robustes Marktumfeld.
Edelmetallprofi Hartmann geht davon aus, dass die Korrekturen bei den Edelmetallen bald ihr Ende finden werden. Weitere kurzfristige Rückschläge seien zwar möglich, diese sollten aber zum Auf- und Ausbau von langfristigen Positionen genutzt werden. Hartmann weiter: „Die Saisonalität spricht ebenfalls für ein Ende der Korrektur. In der zweiten Jahreshälfte ging es in der Vergangenheit mit Gold & Co. häufig nach oben.“
Kein Ende der Entdollarisierung in Sicht
Trotz der jüngsten Stärke des Dollars sprechen zahlreiche Faktoren dafür, dass sich der langfristige Trend zur Entdollarisierung fortsetzen dürfte. Entscheidend ist dabei weniger die kurzfristige Wechselkursentwicklung als vielmehr das schwindende Vertrauen der USA im Rest der Welt. Viele Schwellen- und Entwicklungsländer sehen die zunehmende Nutzung des Dollars als geopolitisches Druckmittel – etwa durch Finanzsanktionen oder den Ausschluss vom internationalen Zahlungsverkehr – mit wachsender Skepsis. Hinzu kommen die hohe Staatsverschuldung der USA, anhaltend hohe Haushaltsdefizite sowie eine zunehmend polarisierte Innenpolitik, die Zweifel an der langfristigen Stabilität der US-Finanzpolitik nähren.
Ein besonders deutliches Signal liefern die Notenbanken. Seit mehreren Jahren kaufen sie Gold in aussergewöhnlich hohem Tempo und haben ihre Bestände von 2022 bis 2024 jeweils um mehr als 1.000 Tonnen pro Jahr erhöht (2025: + 850 Tonnen). Gold gilt als weltweit akzeptierte Reserve ohne Gegenparteirisiko und bietet Staaten die Möglichkeit, ihre Währungsreserven unabhängiger vom Dollar zu diversifizieren. Besonders interessant: Mittlerweile stocken auch osteuropäische Notenbanken ihre Goldreserven sukzessive auf.
Zudem versuchen zahlreiche Länder alternative Zahlungs- und Handelsstrukturen aufzubauen. Innerhalb der BRICS-Staaten und anderer regionaler Bündnisse werden grenzüberschreitende Geschäfte zunehmend in Landeswährungen abgewickelt. Dieser Prozess verläuft zwar schrittweise und wird den Dollar auf absehbare Zeit kaum als wichtigste Reservewährung verdrängen. Dennoch dürfte sein Anteil an den weltweiten Devisenreserven und im internationalen Handel langfristig weiter sinken. Die aktuelle Dollarstärke erscheint daher eher als temporäres Phänomen, während die strukturellen Kräfte hinter der Entdollarisierung unverändert bestehen.
Robert Hartmann gibt in diesem Zusammenhang folgendes zu bedenken und sagt: „Vorerst bleibt der Dollar die Weltreservewährung. In Krisenzeiten verkaufen die Anleger riskante Assets und parken die Gelder in US-Anleihen. Das schürt die Nachfrage nach Dollars.“ Ausserdem merkt der Edelmetallexperte an, dass Anleger für US-Bonds deutlich mehr Zinsen als für Anleihen aus dem Euroraum erhalten. Mit Blick auf die Geldpolitik weist Hartmann darauf hin, dass sich die amerikanische Notenbank ganz der Preisstabilität verschrieben hat. Angesichts der hohen Inflationsraten müssten die Leitzinsen in Amerika seiner Meinung nach ein wenig höher sein. Er sagt: „Das ist aber weder politisch gewollt noch hilfreich in Sachen Rückführung des Haushaltsdefizits. Die Fed verfolgt klare Ziele und hat dazu einen grossen Werkzeugkasten – wer sie am Ende führt, ist folglich nicht ganz so entscheidend.“
Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum
Im Juli haben an der von pro aurum im Internet durchgeführten Edelmetall-Stimmungsumfrage 274 Personen (Juni: 350) teilgenommen. Trotz der im Juli zu beobachtenden Achterbahnfahrt der Edelmetallpreis hat sich die Stimmung unter den Anlegern kaum verändert. Bei der Kaufbereitschaft gab es gegenüber dem Vormonat einen marginalen Zuwachs von 39,3 auf 39,7 Prozent zu beobachten. Beim Anteil abwartender Geldanleger war im Berichtszeitraum ein leichter Anstieg von 54,7 auf 53,4 Prozent registriert worden. Auch die Verkaufsbereitschaft hat sich kaum verändert. Hier gab es einen Anstieg von 6,0 auf 6,9 Prozent zu vermelden.
Hinsichtlich der aktuellen Bewertung der Edelmetallpreise waren im Juli etwas stärkere Veränderungen zu beobachten. So hat sich zum Beispiel die Ansicht, dass Edelmetalle derzeit unterbewertet sind, innerhalb eines Monats von 29,9 auf 34,5 Prozent verstärkt. Nahezu unverändert blieb der Anteil derer, welche die aktuellen Edelmetallpreise als fair einschätzen. Hier war lediglich ein leichter Zuwachs von 49,6 auf 50,0 Prozent zu beobachten. Deutlich nachgelassen hat die Einschätzung, dass die Edelmetallpreise aktuell überbewertet sind. Deren Quote reduzierte sich relativ deutlich von 20,5 auf 15,5 Prozent.
Bei der Frage nach der künftigen Preisentwicklung der Edelmetalle in den kommenden drei Monaten war eine wachsende Zuversicht registriert worden. So hat sich im Berichtszeitraum die Quote der Umfrageteilnehmer, die steigende Edelmetallpreise erwarten, von 43,1 auf 48,3 Prozent erhöht. Deutlich bergab ging es hingegen mit dem Anteil der Pessimisten. Fallende Edelmetallpreise erwarten mittlerweile lediglich 19,0 Prozent der Befragten (Juni: 26,7 Prozent). Etwas verstärkt hat sich die Erwartung seitwärts tendierender Edelmetallpreise, wo ein leichtes Plus von 30,2 auf 32,7 Prozent zu Buche schlug.
Bildquelle: www.istockphoto.com
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Bildnachweis: Lemon_tm
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