Der Goldpreis befindet sich auf bestem Weg, den vierten Monatsgewinn in Folge zu erzielen. Trotz beendetem US-Shutdown und nachlassenden geopolitischen Risiken beläuft sich das Monatsplus derzeit auf fast vier Prozent (Stand: 27.11.25).

World Gold Council meldet rekordhohe Goldnachfrage

Die globale Goldnachfrage erreichte laut World Gold Council im 3. Quartal 2025 mit 1.313 Tonnen ein neues Rekordniveau und lag damit 3 Prozent über dem Vorjahreswert. Wertmässig stieg die Nachfrage sogar um 44 Prozent auf 146 Mrd. Dollar. Besonders stark trugen Investoren zum Boom bei: ETF-Zuflüsse von 222 Tonnen sowie die robuste Nachfrage nach Barren und Münzen (316 Tonnen) trieben die Gesamtnachfrage besonders stark nach oben. Zentralbanken stockten zudem ihre Goldreserven weiter auf (220 Tonnen), wenn auch etwas weniger dynamisch als im Vorjahr. Demgegenüber belasteten hohe Preise den Schmucksektor, dessen Nachfrage erneut zweistellig zurückging und sich um 19 Prozent auf 371 Tonnen reduziert hat. Im Technologiesektor war mit 81,7 Tonnen (-1,5 Prozent) indes Stagnation angesagt. Auch das globale Goldangebot erreichte mit 1.313 Tonnen einen Rekordstand, getrieben von höherer Minenproduktion und stabilen Recyclingmengen. Insgesamt blieb der Investmentsektor – insbesondere in den USA – der Haupttreiber des starken Goldpreises 2025.

Die US-Goldnachfrage stieg im 3. Quartal 2025 sehr stark und erhöhte sich auf 186 Tonnen (+58 Prozent p.a.), getragen fast ausschliesslich von Investmentströmen. Besonders Gold-ETFs spielten eine überragende Rolle: In den USA gelistete Gold-ETFs verzeichneten Zuflüsse von 137 Tonnen, was 62 Prozent der weltweiten ETF-Zuflüsse entsprach. Ohne diesen ETF-Boom wäre die US-Nachfrage deutlich gesunken. Schmuck- sowie Barren- und Münzkäufe gingen dagegen stark zurück (-12 bzw. -64 Prozent). Beim US-Handelsvolumen gab es in Q3 einen massiven Zuwachs zu vermelden, insbesondere im September und Oktober. Insgesamt zeigen die Daten, dass US-Investoren – vor allem über ETFs – der zentrale Treiber der Goldnachfrage im Jahr 2025 waren.

Robert Hartmann, Mitgründer von pro aurum, sieht das starke Interesse in den USA als Indiz, dass „immer mehr Anleger Risse in der Matrix unseres Finanzsystems erkennen und sich entsprechend absichern“. Für ihn sei eines völlig klar: Dies bringt er folgendermassen auf den Punkt und sagt: „Eine Unze Gold ist immer noch eine Unze Gold, nicht mehr und nicht weniger. Was sich geändert hat in den vergangenen 23 Jahren ist die Kaufkraft der Währungen.“ Das Gold ist nicht gestiegen, sondern die Währungen haben an Wert verloren. Und seiner Meinung nach sieht es aktuell nicht so aus, als würde die Politik hier endlich gegensteuern. Ganz im Gegenteil. Er konstatiert: „Die Staatsschulden wachsen weltweit immer schneller. Dies hat zur Folge, dass sich jeder mit der Absicherung seines Vermögens beschäftigen muss und somit an Edelmetallen im Allgemeinen und Gold im Besonderen nicht umhin kommt.“

EZB: Banken in der Bredouille?

Der aktuelle Finanzstabilitätsbericht der EZB zeigt, dass die Finanzstabilität im Euroraum weiterhin deutlich unter Druck steht. Die EZB identifiziert drei zentrale Risikofaktoren, die sich gegenseitig verstärken können. Erstens verweist sie auf Verwundbarkeiten an den Finanzmärkten: Hohe Bewertungen, ein ausgeprägtes Risikoverhalten und die starke Konzentration bei einigen wenigen Technologiewerten – insbesondere in den USA – erhöhen die Gefahr abrupter und breit korrelierter Marktbewegungen. Besonders der wenig regulierte Nichtbankensektor, darunter Hedgefonds und offene Fonds, gilt als empfindlich, da eine hohe Verschuldung bei geringer Liquidität in Stressphasen zu Notverkäufen führen könnten.

Zweitens warnt die EZB vor zunehmenden fiskalischen und geopolitischen Spannungen. Eine Kombination aus schwachem Wachstum, hohen Schuldenständen und globalen Unsicherheiten könnte zu steigenden Risikoaufschlägen und höherer Marktsensitivität führen. Dies würde vor allem in fragilen Staaten die Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte belasten und Rückwirkungen auf die Finanzierungskosten von Unternehmen und Banken haben.

Drittens sieht die EZB erhebliche Risiken aufgrund der engen Verflechtung zwischen Banken und dem Nichtbankensektor. Schocks ausserhalb des Bankensystems könnten sich schnell auf Institute übertragen, was die Widerstandsfähigkeit trotz guter Kapital- und Liquiditätspuffer mindern kann. Insgesamt zeichnet der Bericht das Bild eines Systems, das trotz stabiler Kennzahlen strukturell fragil bleibt.

Als Fazit drängt sich für Anleger geradezu auf, Teile des Vermögens mit einem krisenrobusten Baustein wie Gold abzusichern, um systemische Finanzmarktrisiken wirksam zu reduzieren. Einige Zentralbanken sehen dies offensichtlich ähnlich und stocken seit vielen Jahren ihre Goldreserven auf, allen voran China. Im November wiesen mehrere Analysten darauf hin, dass sowohl die chinesischen Goldkäufe als auch die gemeldeten Goldreserven Chinas nicht der Wahrheit entsprechen und tatsächlich viel höher ausfallen dürften.

Auch Edelmetallprofi Hartmann ist sich sicher, dass dem so ist. Zugleich merkt er an, dass es durchaus Sinn mache, in der Öffentlichkeit nicht darüber zu sprechen, was man mit Blick auf die landeseigenen Goldreserven vorhat – insbesondere, wenn man so ein grosser Player ist wie China. Er erklärt: „Hätte China die Käufe angekündigt oder bestätigt, wären weltweit tausende Trittbrettfahrer aufgesprungen und hätten so das Gold für die Chinesen teurer gemacht.“ Ohnehin gehe er davon aus, dass nicht nur die Chinesen ihre Reserven ordentlich aufgestockt haben und sagt: „Ich kann mir dies bei vielen

Nationen vorstellen, die ein Klumpenrisiko im Dollar haben und ihre Währungsreserven deshalb diversifizieren möchten.“

Turbulenzen an der „Zinsfront“

Die US-Zinsmärkte verzeichneten im November heftige Turbulenzen – weniger bei den Kursen und Renditen, sondern in erster Linie bei den Zinserwartungen. Weil Fed-Chef Jerome Powell auf der Pressekonferenz nach der am 29. Oktober erfolgten Zinssenkung um 25 Basispunkte relativ „falkenhafte“ Töne von sich gab, ging es mit der Zinshoffnung zunächst steil bergab. So zeigte das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group vor der Pressekonferenz eine Wahrscheinlichkeit von über 90 Prozent an, dass am 10. Dezember eine erneute Zinsreduktion um 25 Basispunkte erfolgen wird. In den Wochen danach sackte dieser Wert auf 30 Prozent ab, um bei Redaktionsschluss wieder über 80 Prozent zu liegen.

Dies alles deutet auf eine starke Verunsicherung der Marktakteure hin, wenngleich aber auch die Fed-Entscheidungsträger derzeit kein sonderlich gutes Bild in der Öffentlichkeit abgeben. Der Datenstau nach dem mit 43 Tagen längsten Shutdown der US-Geschichte machte es der US-Notenbank zudem nicht gerade leicht, schließlich entscheiden sie normalerweise auf Basis aktueller Daten. Da seit Mitte November in den US-Behörden wieder gearbeitet wird, sollten die wichtigsten Konjunkturindikatoren spätestens Anfang Dezember wieder verfügbar sein. Besonders stark interessieren sich die Finanzmarktakteure erfahrungsgemäss für Arbeitsmarktberichte, Verbraucherpreise, Erzeugerpreise, Einzelhandelsumsätze und Zahlen zur Industrieproduktion.

Bei den Commitments-of-Traders-Reports der US-Aufsichtsbehörde CFTC, die normalerweise wöchentlich über die Stimmung an den Terminbörsen informiert, wird es deutlich länger dauern, bis der Datenstau wieder abgearbeitet ist. Laut Behörden-Info soll dies erst am 20. Januar der Fall sein. Problem dabei: Ende Januar könnte bereits der nächste US-Shutdown eintreten, falls sich Demokraten und Republikaner bis dahin nicht über die weiterhin strittigen Punkte einig werden sollten.

Starkes Jahr für Gold, Silber, Platin und Palladium

In diesem Jahr entwickelten sich sämtliche Edelmetalle prächtig, wobei nach elf Monaten Silber (+84 Prozent) und Platin (+80 Prozent) bislang die höchsten Wertzuwächse verbuchten und damit die Performance von Gold (+58 Prozent) und Palladium (+60 Prozent) deutlich übertroffen haben. Edelmetallexperte Hartmann weist darauf hin, dass von den vier Edelmetallen nur zwei einen geldgeschichtlichen Hintergrund haben und sagt: „Für mich geniesst vor allem die Absicherung der Kaufkraft im Portfolio höchste Priorität. Deshalb sollte Gold immer an erster Stelle stehen, gefolgt von Silber. Platin und Palladium eignen sich meiner Meinung nach nur für Anleger, die schon Gold und Silber im Portfolio haben.“

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

An der im Internet durchgeführten Edelmetall-Stimmungsumfrage von pro aurum haben sich im November 124 Personen (Oktober: 149 Teilnehmer) beteiligt. Im Zuge der starken Goldpreisschwankungen nahm unter den Befragten die Kaufbereitschaft leicht ab. Sie hat sich gegenüber dem Vormonat von 43,4 auf 42,7 Prozent reduziert. Leicht zugenommen hat indes der Anteil der Umfrageteilnehmer, die eine abwartende Haltung einnehmen. Hier stellte sich auf Monatssicht nämlich ein Anstieg von 38,6 auf 40,3 Prozent ein. Nahezu unverändert entwickelte sich im Berichtszeitraum die Verkaufsbereitschaft, wo ein leichter Rückgang von 18,0 auf 17,0 Prozent zu beobachten war.

Befragt nach der aktuellen Bewertung der Edelmetallpreise gab es im November hingegen starke Verschiebungen zu beobachten. So hat sich z.B. die Ansicht, dass bei den Edelmetallpreisen derzeit eine Unterbewertung vorliegt, von 45,1 auf 29,8 Prozent der Befragten stark reduziert. Deutlich nach oben ging es mit der Meinung, dass derzeit eine faire Bewertung vorliege. Diese Quote hat sich nämlich innerhalb eines Monats von 29,6 auf 42,8 Prozent erhöht. Als überbewertet werden Edelmetallpreise mittlerweile von 27,4 Prozent der Umfrageteilnehmer eingestuft (Oktober: 25,3 Prozent).

Mit Blick auf die künftige Preisentwicklung der Edelmetalle in den kommenden drei Monaten kehrte die Zuversicht wieder zurück. Nachdem im Oktober lediglich 17,2 Prozent der Befragten steigende Edelmetallpreise prognostiziert hatten, gab es nun einen starken Anstieg auf 56,5 Prozent zu vermelden. Leicht nachgelassen hat die Ansicht, dass die Edelmetallpreise seitwärts tendieren werden. Hier stellte sich ein Rückgang der Quote von 27,9 auf 25,8 Prozent ein. Fallende Edelmetallpreise erwarten mittlerweile nur noch 17,7 Prozent der Anleger, nachdem im Monat zuvor noch ein Wert von 54,9 Prozent zu Buche schlug.

Bildquelle: Lemon_tm
Bildnummer: 1805316424
Bildquelle: istpockphoto.com


Immer aktuell informiert: Folgen Sie pro aurum

So verpassen Sie nichts mehr! Informationen und Chartanalysen, Gold– und Silber-News, Marktberichte, sowie unsere Rabattaktionen und Veranstaltungen.
Facebook | Instagram | LinkedIn | Twitter

Der pro aurum-Shop

Die ganze Welt der Edelmetalle finden Sie in unserem Shop: proaurum.ch