2025 kann zweifellos als das Jahr der Edelmetalle bezeichnet werden. Gold, Silber, Platin und Palladium übertrafen die Performance anderer Anlageklassen um Längen. Gold erzielte mit 70 Prozent (Stand: 23.12.25) den höchsten Jahresgewinn seit 1979.

2025 – kein Jahr wie jedes andere

Bei den Weissmetallen Silber (+140 Prozent), Platin (+146 Prozent) und Palladium (+106 Prozent) fielen die Wertzuwächse sogar noch höher aus. Bei den zwei monetären Edelmetallen Gold und Silber gelangen sogar mehrfach neue Rekordhochs, wobei das gelbe Edelmetall mit bislang 52 Rekordhochs glänzen konnte. Gold hat elf von zwölf Monaten mit einem Plus abgeschlossen, wobei die beste Monatsperformance im September (+11,9 Prozent) erzielt und der höchste Verlust (-0,4 Prozent) im Juli „erlitten“ wurde.

In den ersten vier Monaten profitierte die Krisenwährung vom US-Präsidenten Donald Trump angerichteten handelspolitischen Zollchaos und den diversen geopolitischen Krisenherden (Ukraine, Naher Osten, Taiwan). Ab Mitte April wechselte die Krisenwährung dann in den Seitwärtsmodus. Ein zentraler Grund hierfür war die unklare geldpolitische Perspektive in den USA. Die US-Notenbank Federal Reserve signalisierte zwar das Ende des Zinserhöhungszyklus, liess aber Zeitpunkt und Umfang möglicher Zinssenkungen offen. Für Gold, das keine laufenden Erträge abwirft, bedeutete dies: Die Hoffnung auf sinkende Zinsen stützte den Preis, gleichzeitig verhinderten weiterhin hohe reale Renditen einen klaren Ausbruch nach oben. Hinzu kam ein wachsender Risikoappetit auf US-Aktien, was vor allem durch den Höhenflug des Technologiewerteindex Nasdaq zum Ausdruck kam. Auch geopolitische Risiken waren zwar präsent, eskalierten im Sommer jedoch nicht so stark, dass sie eine ausgeprägte Flucht in den sicheren Hafen Gold ausgelöst hätten.

Im August brach der Goldpreis ausgesprochen dynamisch nach oben aus. Dank „taubenhafter“ Kommentare diverser US-Notenbanker verstärkte sich die Hoffnung auf sinkende Zinsen, was auch durch die Bekanntgabe schwächer als erwarteter US-Konjunkturdaten begünstigt wurde. Ein nachgebender Dollar und technische Anschlusskäufe lösten dann einen erneuten Run auf Gold aus. Verstärkt wurde die Kauflaune durch den im Oktober einsetzenden US-Shutdown, der sich danach mit 43 Tagen als längster Regierungsstillstand in der US-Geschichte erwiesen hat. Dieser führte allerdings dazu, dass der Fed keine aktuellen Wirtschaftsdaten zur Verfügung standen. Die Zinshoffnungen lösten sich darauf wieder in Luft auf und führten zu einer signifikanten Korrektur um rund zehn Prozent. Danach war wieder „business as usual“ angesagt. Gold und Silber setzten ihre Rekordfahrt im Dezember fort und legten in der Spitze auf 4.497 bzw. fast 70 Dollar zu.

Robert Hartmanns Fazit zum Jahr 2025

Die diesjährige Entwicklung der Edelmetalle hat selbst den erfahrenen Edelmetallprofi und Mitgründer von pro aurum Robert Hartmann sehr überrascht. Seit 1987 arbeitet er im Edelmetallgeschäft und beobachtet deshalb täglich die Preise für Gold & Co. Er sagt: „Was mich am stärksten überrascht hat, ist die Geschwindigkeit, mit der vor allem Platin und Silber in diesem Jahr angestiegen sind.“ Im Jahresverlauf wurden beide Edelmetalle in den Goldreports immer wieder als aussichtsreich eingestuft. Hartmann weiter: „Insbesondere beim Kursverlauf von Platin erkennt man, dass der Preis seit Mitte 2020 über Jahre hinweg bis zum Mai 2025 zwischen 850 und 1.100 Dollar praktisch seitwärts tendierte. Und dann steigt das Edelmetall seit Mai über 100 Prozent in lediglich sieben Monaten.“ Selbst als grosser Optimist in Sachen Platin habe er dies nicht erwartet. Ähnlich erging es ihm bei Silber.

Den Blick auf 2026 gerichtet, geht der Edelmetallprofi davon aus, dass es bei den Edelmetallen sicherlich zu der einen oder anderen Verschnaufpause kommen wird und sagt: „Grundsätzlich ist die Hausse für mich aber noch nicht vorbei. Sie wird anhalten, solange die Staaten auf Pump leben und sich weiter verschulden.“

Darüber hinaus sehe er die Frage nach der Verwendung der russischen Zentralbankreserven als wichtiges Thema für die Edelmetalle. Er gibt Folgendes zu bedenken und sagt: „Die Zinsen und Erträge aus dem russischen Vermögen zu kassieren, ist das eine – aber das Vermögen als solches zu konfiszieren, ist, was die Auswirkungen und Signale an die Finanzmärkte angeht, eine ganz andere Hausnummer.“ Dies würde nämlich bedeuten, dass der Besitz von Staatsanleihen sowie deren ‚Lagerung‘ im Finanzsystem nicht mehr vor Enteignung sicher sind und dass Verträge mit den westlichen Clearingstellen und Aufbewahrern von Anleihen nichts wert sind.

Er meint: „Ich kann mir persönlich nicht vorstellen, dass die Europäer so weit gehen werden und das Vermögen konfiszieren. Damit wären die wichtigsten Player und Mitglieder unseres Finanzsystems auf lange Dauer beschädigt, was das Vertrauen in sie angeht.“ Als Alternative blieben für nicht-westliche Notenbanken, seiner Meinung nach, dann wahrscheinlich nur noch chinesische Staatsanleihen und Gold.

Ausblick für das kommende Jahr

Mittelfristig bleibt für den Goldmarkt vor allem ein Thema entscheidend – nämlich die Frage, ob sich die Staaten weiter verschulden wie bisher. Mit Blick auf die deutsche Situation merkt Robert Hartmann an, dass sich die aktuelle Regierung einen riesigen Schluck aus der Pulle genehmigt hat. Ausserdem beläuft sich in den USA der Schuldenberg derzeit auf 38,2 Billionen und das Haushaltsdefizit liegt bei fast zwei Billionen Dollar. Er erklärt: „Solange diese Trends anhalten, ist der Verlust von Kaufkraft bei Dollar und Euro eine ausgemachte Sache. Und politisch gewollt, schliesslich möchte man seine Schulden mit inflationiertem und weniger werthaltigen Geld zurückzahlen. Das war schon immer so und daran wird sich zumindest kurzfristig auch nichts ändern.“

Seine persönliche Liste der Edelmetall-Favoriten für das Jahr 2026 sieht übrigens folgendermassen aus: Gold, Silber, Platin und Palladium – und zwar genau in dieser Reihenfolge. Zugleich rät er nach der diesjährigen Edelmetallrally zu folgender Strategie. Einmal im Jahr sollte man als Privatanleger in sein Portfolio schauen und sich diese beiden Fragen stellen. Erstens: Was hat sich besonders gut entwickelt? Zweitens: Ist der gewünschte prozentuale Anteil an Edelmetallen durch die famose Performance dieses Jahr zu hoch? Falls dem so ist, sollte man einen Teil des Bestandes liquidieren und somit die gewünschte Zielgrösse wieder herstellen (Rebalancing) – vorausgesetzt man weiss, wie man die Liquidität aus den Verkäufen zukünftig gut anlegen kann.

Chartechnischer Exkurs zum Goldpreis

Aus charttechnischer Sicht herrscht bei Gold zweifellos eine überkaufte Lage, was durch Timingindikatoren wie dem Relative-Stärke-Index oder dem MACD zum Ausdruck kommt. Dennoch sind aufgrund des starken Aufwärtstrends Verkaufssignale eher Mangelware. Auf der Charttechnik-Website Tradingview legen zum Beispiel von den insgesamt 26 erfassten Parametern gegenwärtig 17 das „Kaufen“, neun das „Halten“ und kein einziger das „Verkaufen“ von Gold nahe, was zu dem Gesamturteil „Starker Kauf“ führt. Um ein langfristiges Trendwechselsignal auszulösen, müsste ein starker Kursrutsch stattfinden, schliesslich notiert der Goldpreis aktuell mehr als 800 Dollar über seiner 200-Tage-Linie und mehr als 1.000 über der unteren Begrenzung des langfristigen Abwärtstrends, so dass zumindest bei diesen beiden Parametern ein Verkaufssignal derzeit wahrlich nicht droht.

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

Die Teilnehmerzahl der im Internet durchgeführten Edelmetall-Stimmungsumfrage von pro aurum hat sich im Dezember von 124 auf 174 Personen erhöht. Nach wie vor überwiegt unter den Befragten die Kaufbereitschaft. Diese hat sich gegenüber dem Vormonat von 42,7 auf 56,9 Prozent signifikant verstärkt. Der Anteil der Umfrageteilnehmer, die eine abwartende Haltung einnehmen, hat hingegen stark abgenommen. Hier ging es auf Monatssicht von 40,3 auf 31,0 Prozent bergab. Trotz des stark gestiegenen Goldpreises hat die Verkaufsbereitschaft im Berichtszeitraum ebenfalls nachgelassen und zu einem Rückgang von 17,0 auf 12,1 Prozent geführt.

Bei der Frage nach der aktuellen Bewertung der Edelmetallpreise gab es im Dezember folgende Veränderungen zu beobachten. So war die Ansicht, dass bei den Edelmetallpreisen derzeit eine Unterbewertung vorliegt, weniger stark vertreten als im Monat zuvor. Deren Quote hat sich nämlich von 29,8 auf 20,9 Prozent der Befragten reduziert. Die Meinung, dass derzeit eine faire Bewertung vorliege, wurde im Dezember von 55,2 Prozent (November: 42,8 Prozent) der Umfrageteilnehmer vertreten. Nachdem im Vormonat 27,4 Prozent die Edelmetallpreise als überbewertet eingestuft hatten, reduzierte sich dieser Wert auf 23,9 Prozent.

Bei der Frage nach der künftigen Preisentwicklung der Edelmetalle in den kommenden drei Monaten herrschte weiterhin ein hohes Mass an Optimismus. So hat sich der Anteil der Befragten, die steigende Edelmetallpreise prognostizieren, im Dezember von 56,5 auf 58,4 Prozent leicht erhöht. Selbiges trifft auf die Einschätzung zu, dass die Edelmetallpreise seitwärts tendieren werden. Hier gab es gegenüber dem Vormonat einen Anstieg der Quote von 25,8 auf 30,1 Prozent zu vermelden. Fallende Edelmetallpreise wurden im Dezember von einer Minderheit von 11,5 Prozent der Umfrageteilnehmer prognostiziert (November: 17,7 Prozent).

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