Italien plant einen bemerkenswerten Eingriff in den privaten Goldbesitz seiner Bürger. Die Regierung von Giorgia Meloni arbeitet an einer befristeten Amnestieregelung, mit der bislang nicht dokumentierte Goldbestände – insbesondere Anlagegold wie Barren und Münzen, für die keine Kaufbelege existieren – steuerlich erfasst werden sollen. Hintergrund sind Italiens angespannte Staatsfinanzen. Schätzungen zufolge lagern zwischen 4.500 und 5.700 Tonnen Gold in italienischen Haushalten. Das entspricht einem Wert von etwa 550 bis über 600 Milliarden Euro und macht die Italiener zu einem der goldreichsten Privatvermögenshalter weltweit.
Melonis Plan: Einmalabgabe auf undokumentiertes Gold
Der Vorschlag sieht vor, dass Besitzer nicht nachgewiesener Goldbestände diese bis Mitte 2026 melden können. Wer sich innerhalb dieser Frist registriert, soll eine Einmalabgabe von rund 12,5 Prozent des aktuellen Wertes zahlen. Im Gegenzug würde die künftige steuerliche Behandlung deutlich entschärft. Derzeit gilt in Italien: Liegen keine Belege vor, werden beim Verkauf pauschal 26 Prozent Steuern auf den gesamten Erlös fällig. Nach der Reform soll – wie bei regulär dokumentierten Vermögenswerten – nur noch der tatsächliche Gewinn besteuert werden. Die Regierung erhofft sich daraus Einnahmen von rund zwei Milliarden Euro. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass die Akzeptanz ungewiss ist. Viele Italiener betrachten Gold als private Krisenreserve, die bewusst ausserhalb staatlicher Strukturen gehalten wird. EU-weit wird zudem beobachtet, ob Haushalte ihr Gold vorher veräussern oder ausser Landes bringen, um sich der Abgabe zu entziehen.
Signalwirkung für Deutschland?
In Deutschland bleiben die Rahmenbedingungen unverändert: Anlagegold ist mehrwertsteuerfrei, Gewinne nach zwölf Monaten Haltedauer sind steuerfrei, es gibt keine Meldepflicht und auch keinerlei politische Hinweise auf vergleichbare Massnahmen. Gleichwohl macht das italienische Beispiel sichtbar, dass Vermögenswerte, die lange als unangreifbar galten, in europäischen Haushaltskrisen zunehmend in den Fokus rücken können. Die geplante Abgabe zeigt, wie schnell Staaten nach neuen Einnahmequellen suchen, wenn Defizite steigen und klassische Steuererhöhungen politisch schwer durchsetzbar sind. Auch wenn eine vergleichbare Regelung in Deutschland derzeit nicht absehbar ist, bleibt die Frage bestehen, ob Goldbesitz in Europa künftig stärker unter regulatorischer Beobachtung stehen könnte – und ob politische Eingriffe in Ausnahmezeiten tatsächlich ausgeschlossen sind.
Bildquelle: pro aurum
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