Der Goldpreis setzte 2025 seine im Vorjahr zu beobachtende Rekordfahrt fort und verbuchte bis Anfang Dezember einen Wertzuwachs von über 60 Prozent. Derzeit deutet einiges auf das beste Jahr seit 1979 hin.
Temporäre technische Korrektur
Der Goldpreis zeigte in den ersten elf Monaten des Jahres eine aussergewöhnlich dynamische Entwicklung und markierte innerhalb dieses Zeitraums laut World Gold Council 39 Rekordhochs. Der bisherige Kursverlauf lässt sich in vier Phasen unterteilen. Phase 1: Von Januar bis April legte das Edelmetall einen beeindruckenden Start hin und kletterte von rund 2.600 auf 3.400 Dollar. Es profitierte von Inflationssorgen, geopolitischen Spannungen und verstärkten Käufen institutioneller Investoren. In Phase 2 vollzog die Krisenwährung von April bis August eine viermonatige Seitwärtsbewegung, in der sich Gold trotz schwankender Wirtschaftsdaten erstaunlich stabil hielt.
In Phase 3 setzte dann eine erneute Rally ein – bis zum 20. Oktober kletterte der Kurs von etwa 3.350 auf 4.380 US-Dollar und markierte damit das jüngste Allzeithoch. Danach setzte Phase 4 ein, die im Zuge von Gewinnmitnahmen zu einer signifikanten Korrektur um in der Spitze mehr als zehn Prozent führte – eine klassische technische Gegenbewegung nach einem langen und steilen Aufwärtstrend. Anfang Dezember bewegte sich die Krisenwährung wieder tendenziell in Richtung Rekordhoch.
Gesunde Atempause nach rasanter Rally
Obwohl der Goldpreis am 21. Oktober mit acht Prozent den stärksten Tagesverlust seit 2013 erlitten hat, dauerte der Korrekturmodus nicht sonderlich lang. Auch der Kursrutsch unter die Marke von 4.000 Dollar war lediglich von temporärer Natur. Deutlich bergauf ging es im Jahresverlauf allerdings mit der Kursschwankungsintensität – die in der finanzmathematischen Kennzahl „Volatilität“ zum Ausdruck kommt. So hat sich beispielsweise der von der US-Terminbörse CBOE berechnete Volatilitätsindex (GVZ) 2025 von 14,6 Prozent in der Spitze auf 32,8 Prozent (16.10.25) erhöht, um sich danach wieder auf 23,3 Prozent (01.12.25) zu beruhigen. Damit übertrifft er jedoch sein Pendant auf den S&P-500-Index (VIX), der in diesem Jahr – nach einem Hoch bei 52,3 Prozent (08.04.25) – mit 17,2 Prozent (01.12.25) per Saldo lediglich seitwärts tendierte.
Das Jahr 2025 war von einem Marktumfeld gekennzeichnet, das eindeutig für die Krisenwährung Gold spricht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Chinas Aggressionen gegen seine asiatischen Nachbarstaaten und der „Dauerkrisenherd“ Naher Osten stellten jedoch lediglich eines von vielen Kaufargumenten für Gold dar. Die wachsenden Schuldenberge und Haushaltsdefizite grosser Industriestaaten haben Zweifel an deren Kreditwürdigkeit sowie an der nachhaltigen Schuldentragfähigkeit aufkommen lassen und dadurch eine massive Flucht in den „sicheren Hafen“ Gold ausgelöst.
Ein starkes Kaufinteresse war aber auch unter Notenbanken auszumachen. Nachdem sie in den vergangenen drei Jahren stets mehr als 1.000 Tonnen Gold erworben hatten, haben sie ihre Goldreserven in den ersten neun Monaten mit 633,6 Tonnen erneut kräftig aufgestockt. Und dies sind lediglich die offiziell gemeldeten Zahlen. Im November wiesen mehrere Analysten darauf hin, dass sowohl die chinesischen Goldkäufe als auch die gemeldeten Goldreserven Chinas nicht der Wahrheit entsprechen und tatsächlich viel höher ausfallen dürften. Auch Edelmetallprofi Hartmann ist sich sicher, dass dem so ist. Zugleich merkt er an, dass es durchaus Sinn mache, in der Öffentlichkeit nicht darüber zu sprechen, was man mit Blick auf die landeseigenen Goldreserven vorhat – insbesondere, wenn man so ein grosser Player ist wie China.
Investoren und Zentralbanken in Kauflaune
Die weltweite Goldnachfrage hat im dritten Quartal 2025 laut World Gold Council einen neuen Rekord erreicht: Mit 1.313 Tonnen lag sie drei Prozent höher als im Vorjahr. Noch stärker war der Anstieg in Geldwerten – hier schnellte die Nachfrage um 44 Prozent auf 146 Milliarden Dollar nach oben. Ausschlaggebend war vor allem das enorme Anlegerinteresse. Gold-ETFs verzeichneten Zuflüsse von 222 Tonnen, und auch der Kauf von Barren und Münzen blieb mit 316 Tonnen aussergewöhnlich hoch.
Zentralbanken kauften in Q3 zusätzlich 220 Tonnen Gold und bauten ihre Reserven weiter aus, wenn auch etwas langsamer als 2024. Belastet wurde der Markt dagegen vom Schmucksektor. Die hohen Preise drückten die Nachfrage um 19 Prozent auf 371 Tonnen. In der Technologie stagnierte der Verbrauch nahezu und lag bei 81,7 Tonnen (-1,5 Prozent). Gleichzeitig erreichte auch das weltweite Goldangebot dank gestiegener Minenproduktion und stabilen Recyclingmengen ein Rekordniveau von 1.313 Tonnen. Insgesamt blieb die starke Investmentnachfrage – insbesondere aus den USA – der wichtigste Treiber des hohen Goldpreises im Jahr 2025.
Der im November veröffentlichte Finanzstabilitätsbericht der EZB spricht ebenfalls für den Kauf von Gold. Mit Blick auf die Banken im Euroraum warnt die EZB vor drei Risiken: Zum einen vor Marktverwundbarkeiten durch hohe Bewertungen, Risikofreude und die starke Konzentration auf wenige US-Technologiewerte, die abrupte Korrekturen auslösen könnten. Zum anderen erhöhen schwaches Wirtschaftswachstum, hohe Staatsschulden und geopolitische Spannungen die Gefahr steigender Risikoaufschläge. Drittens bedroht die enge Verflechtung von Banken und Nichtbanken die Stabilität, da externe Schocks schnell zu Notverkäufen und Flächenbränden führen können.
Ein weiteres Argument, das eindeutig für den Kauf von Gold spricht, ist auch in der Politik von Donald Trump zu sehen. Besonders interessant: Selbst das Ende des US-Shutdown vermochte beim Goldpreis keinen sonderlich starken Verkaufsdruck aufkommen lassen und der Risk-Off-Modus kehrte an den Finanzmärkten wieder relativ schnell zurück. Und der nächste Shutdown könnte bereits in Kürze eintreten, schliesslich läuft die Übergangsfinanzierung des US-Haushalts am 30. Januar aus.
Trumps Unberechenbarkeit in der Geopolitik, im Welthandel und in Fragen der Rechtsstaatlichkeit sowie die Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed erhöhen die Attraktivität von Gold. Und all diese Krisen werden uns aller Voraussicht nach auch in Zukunft begleiten.
Deshalb können Goldbesitzer relativ entspannt bleiben. Laut einer umfangreichen charttechnischen Analyse der Investmentbank HSBC könnte die Goldrally „noch ein gutes Stück weitertragen, sodass das Edelmetall das Ende der Fahnenstange anscheinend noch nicht erreicht hat“.
Bildquelle: Artofinnovation
Bildnummer: 618511959
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