2025 könnten die drei Weissmetalle Silber, Platin und Palladium die Performance von Gold übertreffen – zumindest mit Stand 9. Dezember. Bei Silber fällt die Outperformance gegenüber Gold am höchsten aus, gefolgt von Platin und Palladium.

Silber – Rekordhoch von 2011 übertroffen

Der starke Anstieg des Silberpreises in diesem Jahr lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. So sorgte u. a. die Hoffnung auf sinkende Zinsen für Kauflaune, schliesslich verringern sich dadurch die Opportunitätskosten für das Halten des Edelmetalls, wodurch sich dessen Attraktivität verbessert. Zum anderen fungiert Silber nicht nur als Wertspeicher, sondern auch als wichtiger industrieller Werkstoff – insbesondere in den Wachstumsbranchen Photovoltaik, Elektronik, Künstliche Intelligenz und E-Mobilität. Die Nachfrage aus diesen Bereichen wächst kräftig, während das Angebot kaum in gleichem Ausmass nachziehen kann. Laut Silver Institute fällt die Silbernachfrage seit 2021 höher als das Angebot aus. Für 2025 prognostizieren dessen Analysten (ohne ETPs) ein Defizit von 187 Mio. Unzen.

Ein besonders starkes Kaufinteresse war im ETP-Sektor auszumachen, wo laut Silver Institute in der zweiten Oktoberhälfte eine rekordhohe Marktbewertung von über 67 Mrd. Dollar und ein Tages-Rekordumsatz von 1,25 Mrd. Feinunzen erzielt wurde. Nun fehlt nur noch ein neues Rekordhoch bei den Silberbeständen von physisch hinterlegten Silber-Wertpapieren. Besonders interessant: Für dieses Jahr wird mit einer gegenüber dem Vorjahr wenig veränderten Minenförderung in Höhe von 813 Mio. Unzen gerechnet. Seit dem Jahr 2021 entwickelt sich die Silberförderung lediglich seitwärts und auch beim Recycling von Silber gab es trotz deutlich gestiegenem Silberpreis keinen nennenswerten Anstieg des Angebots zu vermelden. Ohne Berücksichtigung von ETPs befindet sich der Silbermarkt seit dem Jahr 2019 im Defizit, welches sich kumuliert auf fast 1.200 Mrd. Unzen beläuft.

Deutlich gesunkene Silberbestände an wichtigen Handelsplätzen sowie Kapazitätsengpässe bei internationalen Raffinerien haben an den Silbermärkten zeitweise zu Lieferengpässen geführt und den „kleinen Bruder von Gold“ in deutlich höhere Regionen getrieben. Anfang Dezember stellte sich ein Rekordhoch von über 58 Dollar ein. Eines sollte dabei allerdings nicht ausser Acht gelassen werden: Diese Outperformance musste mit einer deutlich höheren Volatilität „bezahlt“ werden. Während Silber eine historische 250-Tage-Volatilität von 38,4 Prozent ausweist, fällt diese bei Gold (24,4 Prozent p. a.) deutlich geringer aus. 2025 hat sich die erhöhte Volatilität in Form einer starken Outperformance ausgezahlt und damit bewiesen, dass eine hohe Volatilität neben einem höheren Verlustrisiko auch eine höhere Renditechance mit sich bringen kann.

Bei Silber stellen sich sowohl aus fundamentaler als auch aus charttechnischer Sicht die Perspektiven ausgesprochen glänzend dar. Denn immer, wenn ein neues Rekordhoch erzielt wird, gilt häufig der folgende Ausspruch: The sky is the limit.

Auch Platin kann 2025 überzeugen

Der Platinpreis bewegte sich in den ersten fünf Monaten in relativ engen Bahnen seitwärts. Anfang Juni und Mitte September gab es dann aber zwei massive Kursschübe in höhere Regionen zu beobachten. Ungeachtet dessen unterschreitet das Mitte Oktober markierte Jahreshoch von 1.722 Dollar das bisherige Allzeithoch aus dem Jahr 2008 in Höhe von 2.276 Dollar relativ deutlich. Die freundliche Tendenz des Platinpreises war darauf zurückzuführen, dass auf der einen Seite das Angebot aufgrund von Förderproblemen in Südafrika rückläufig war. Auf der anderen Seite sorgte eine starke Platinnachfrage für ein erhebliches Angebotsdefizit, das sich in diesem Jahr laut Schätzungen des World Platinum Investment Council (WPIC) auf 692.000 Unzen belaufen wird. Dies wäre dann das dritte Angebotsdefizit in Folge.

Der Nachfrageschub war diversen Marktsegmenten zu verdanken. So meldete der WPIC, dass die Nachfrage aus der Automobilbranche (Abgaskatalysatoren) im dritten Quartal ihren Fünfjahresdurchschnitt um zehn Prozent übertroffen hat. Im Schmucksektor wird dank einer regen chinesischen Nachfrage für das Gesamtjahr ein Plus von sieben Prozent erwartet, während im Segment Barren und Münzen sogar mit einem Nachfrageschub von 47 Prozent gerechnet wird, was ebenfalls vor allem einem Land zu verdanken sein wird: China.

Das starke Interesse an Platin ist unter anderem auf den in der Vergangenheit regelmässig zu beobachtenden Substitutionseffekt zurückzuführen. Weil sich Gold in den vergangenen Jahren deutlich besser entwickelt hat, als dies bei den Weissmetallen Silber, Platin und Palladium der Fall war, wird das gelbe Edelmetall insbesondere bei Schmuckkonsumenten und verunsicherten Investoren in zunehmendem Masse durch Silber und Platin ersetzt.

Nach wie vor wird Platin – insbesondere gegenüber Gold – als „unterbewertet“ eingestuft, schliesslich gab es Zeiten, in denen Platin sogar deutlich höher notierte als Gold. Vor dem Jahr 2015 war Platin die meiste Zeit teurer als Gold, in den Jahren 2001 und 2008 sogar um mehr als das Doppelte. Insgesamt konnte man bei der diesjährigen Platinrally von bislang 84 Prozent ein komplexes Zusammenspiel zwischen Angebotsengpässen, struktureller Nachfrage und einem massiven Stimmungsumschwung ausmachen. Zur Erinnerung: Bei Gold war im selben Zeitraum ein Plus von „lediglich“ 59 Prozent erzielt worden.

Selbst bei Palladium keimt Hoffnung auf

Der Preis von Palladium hat mehrjähriger Lethargie in diesem Jahr bislang eine bemerkenswerte Performance erzielt (+68 Prozent). Obwohl Palladium in der Erdkruste deutlich seltener vorkommt als Silber, entwickelte sich das Letztgenannte mit plus 100 Prozent am stärksten. Veranschaulichen kann man sich die unterschiedlichen Seltenheiten von Silber, Platin und Palladium durch die Kennzahl Parts per Million (ppm). Bei Silber liegt diese bei 0,075 ppm, während bei Palladium und Platin Werte von 0,015 bzw. 0,005 ppm ausgewiesen werden.

Wichtig zu wissen: Ungefähr 80 Prozent der Palladiumnachfrage stammen aus dem Automobilsektor, in dem das Weissmetall für die Herstellung von Katalysatoren für Benzinmotoren benötigt wird. Hier gehen die Marktakteure offenbar davon aus, dass Benzinfahrzeuge auch in Zukunft nicht von den Strassen verschwinden und die globalen Umweltvorschriften in weiten Teilen der Welt höchstwahrscheinlich immer strenger werden. Ausserdem wird in Europa derzeit darüber diskutiert, das von der EU beschlossene Verkaufsverbot für Neufahrzeuge mit Verbrennermotoren zu überdenken bzw. aufzuweichen. Dies dürfte sich auch auf den Palladiumpreis auswirken.

Der Handel mit Palladium gilt sowohl im Spot-Handel als auch an den Terminmärkten als weniger liquide, als dies bei Silber und Platin der Fall ist. Ausserdem wird am meisten Palladium in Südafrika und Russland gefördert. Beide Länder haben derzeit massive Probleme zu bewältigen und gelten daher als wenig zuverlässiger Rohstofflieferant, sodass Angebotsprobleme immer wieder starke Verwerfungen mit sich bringen können. Dies alles führt zu einem relativ hohen Risiko, sodass Palladium sogar eine höhere 250-Tage-Volatilität (47,3 Prozent) als Platin (40,8 Prozent) ausweist. Kurzum: Weissmetalle erfordern ein deutlich robusteres Nervenkostüm als Gold.

Eine grosse Gemeinsamkeit sticht bei allen drei Weissmetallen jedoch besonders stark ins Auge. Aus charttechnischer Sicht kann man ihnen attestieren, dass sie 2025 einen starken Turnaround vollzogen haben. Das positive Marktsentiment lässt sich besonders gut am Aufwärtstrend der langfristigen 200-Tage-Linie ablesen. Diese wird derzeit von den Preisen der drei Edelmetalle deutlich übertroffen, sodass unter diesem Aspekt die Ampeln weiterhin auf „Grün“ stehen.

Bildquelle: pro aurum / Composing


Immer aktuell informiert: Folgen Sie pro aurum

So verpassen Sie nichts mehr! Informationen und Chartanalysen, Gold– und Silber-News, Marktberichte, sowie unsere Rabattaktionen und Veranstaltungen.
Facebook | Instagram | LinkedIn | Twitter

Der pro aurum-Shop

Die ganze Welt der Edelmetalle finden Sie in unserem Shop: proaurum.ch