In Europa war das Jahr 2025 von einem leichten Rückgang der Inflation gekennzeichnet. Von Januar bis November ermässigte sich die Teuerungsrate der Eurozone von 2,5 auf 2,1 Prozent, was vor allem auf sinkende Energiepreise zurückzuführen war.

Zeitweise sogar unter zwei Prozent

Die höchste Teuerungsrate des Jahres wurde mit 2,5 Prozent p.a. für den Monat Januar gemeldet, im Mai rutschte sie mit 1,9 Prozent sogar unter den von der EZB vorgegebenen Zielwert von zwei Prozent ab. Danach pendelte sie in einer engen Bandbreite zwischen 2,0 und 2,2 Prozent. Nach den starken Preissprüngen der Vorjahre zeigte sich damit eine Phase der Stabilisierung, auch wenn sich die einzelnen Preisbereiche sehr unterschiedlich entwickelten. Überdurchschnittlich verbilligt haben sich vor allem Energieprodukte. Sinkende Öl- und Gaspreise sowie Basiseffekte führten dazu, dass Energie zeitweise sogar preis­dämpfend wirkte. Auch viele Industriegüter ohne Energiebezug, etwa Elektronik oder Kleidung, verteuerten sich nur noch geringfügig oder stagnierten preislich. Entlastend wirkten hier entspanntere Lieferketten und eine schwächere Nachfrage.

Deutlich stärker gestiegen sind dagegen weiterhin die Preise für Dienstleistungen. Vor allem höhere Löhne, gestiegene Personalkosten und Nachholeffekte nach der Pandemie sorgten dafür, dass etwa Gastronomie, Tourismus oder persönliche Dienstleistungen überdurchschnittliche Teuerungsraten aufwiesen. Auch Lebensmittel blieben trotz rückläufiger Dynamik vergleichsweise teuer, insbesondere verarbeitete Produkte sowie alkoholische Getränke und Tabakwaren.

„Gefühlte“ Inflation fällt höher aus

Auf ihrer jüngsten Sitzung im Dezember bewertete die EZB diese Entwicklung grundsätzlich positiv. Sie sieht ihre geldpolitischen Massnahmen als wirksam an und stellte fest, dass der Inflationsdruck insgesamt deutlich nachgelassen hat. Gleichzeitig gab sie sich jedoch nicht vollständig entspannt. Vor allem die anhaltend hohe Dienstleistungsinflation und mögliche Lohn-Preis-Spiralen gelten aus Sicht der Notenbank weiterhin als Risikofaktoren.

Unterm Strich zeigte sich die EZB vorsichtig zufrieden: Die Inflation sei unter Kontrolle, doch die Währungshüter bleiben wachsam und betonen, dass künftige geldpolitische Entscheidungen strikt von der weiteren Datenentwicklung abhängen werden. In der deutschen Bevölkerung herrscht indes hinsichtlich der Inflationsentwicklung überwiegend keine Zufriedenheit. Auch wenn die offiziell ermittelte Inflation nachlässt, sorgt die „gefühlte“ Inflation vor allem in der Mittelschicht und unter Geringverdienern für eine anhaltende Unzufriedenheit. Dies liegt vor allem daran, dass die Teuerung sehr ungleich verteilt ist. Ausgaben, die im Alltag besonders häufig gekauft werden – etwa Nahrungsmittel, Restaurantbesuche oder Dienstleistungen – sind überdurchschnittlich stark gestiegen. Dagegen fallen Preisrückgänge bei Energie oder langlebigen Konsumgütern psychologisch weniger ins Gewicht. Gleichzeitig haben viele Haushalte Reallohnverluste aus den Inflationsjahren noch nicht vollständig aufgeholt, was das Gefühl von Kaufkraftverlust verstärkt.

Erhöhter Inflationsdruck in den USA

Seit Januar hat sich die Inflation in den USA nur langsam und mit deutlichen Schwankungen abgeschwächt. Nach 3,0 Prozent p.a. zu Jahresbeginn ging der Preisdruck im Frühjahr (April: 2,3 Prozent) zunächst zurück, bevor er sich im Sommer und Herbst erneut auf 3,0 Prozent (September) verstärkte. Im November lag die Teuerungsrate mit 2,7 Prozent weiterhin oberhalb des Niveaus in Europa. Ein zentraler Grund für die höhere US-Inflation liegt in der stärkeren Binnennachfrage. Vor allem Dienstleistungen, Mieten und Gesundheitskosten stiegen in den Vereinigten Staaten dynamischer als in Europa. Hinzu kommen die Folgen der Wirtschafts- und Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump. Neue und ausgeweitete Zölle auf Importe verteuerten Vorleistungen und Konsumgüter, was sich schrittweise entlang der Lieferketten in höheren Verbraucherpreisen niederschlug. US-Konsumenten spürten diese Effekte insbesondere bei Alltagswaren, Elektronik und bestimmten Industriegütern.

Volkswirte gehen aktuell davon aus, dass die Inflation in den kommenden Quartalen nur langsam weiter sinken wird. Die Mehrheit der Prognosen sieht die US-Teuerung auch im nächsten Jahr noch über dem Niveau der Eurozone, begleitet von erhöhten Aufwärtsrisiken durch Handelspolitik, geopolitische Spannungen und einen relativ robusten Arbeitsmarkt. Diese Unsicherheiten spiegeln sich auch in den Inflationserwartungen der US-Verbraucher wider. Der von der Uni-Michigan berechnete Indikator zu den Inflationserwartungen der US-Verbraucher signalisiert mit 4,2 Prozent eine deutlich höhere Teuerungsrate in zwölf Monaten. Privathaushalte rechnen also – im Gegensatz zu Volkswirten – weiterhin mit spürbaren Preissteigerungen. Sollte sich der Inflationsdruck tatsächlich verfestigen, könnte dies der US-Notenbank eine schnelle geldpolitische Lockerung erschweren.

Für Goldbesitzer stellte in diesem Jahr die durch Inflation ausgelöste Geldentwertung absolut kein Problem dar, schliesslich überzeugte der altbewährte Inflationsschutz weniger durch Werterhalt, sondern vor allem durch seine in Euro ermittelte Wertsteigerung von 45 Prozent (Stand: 30.12.25).

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