Seit März ist weltweit wieder ein deutlicher Inflationsschub zu beobachten – und auch in Deutschland zeigt sich die Dynamik klar. Nachdem die Teuerungsrate im Februar noch bei vergleichsweise moderaten 1,9 Prozent lag, zog sie im März auf 2,7 Prozent an und erreichte im April sogar 2,9 Prozent.

Inflation zieht wieder an: Energiepreise treiben Teuerung

Damit kehrt die Inflation schneller zurück als von vielen Marktteilnehmern erwartet. Haupttreiber dieser Entwicklung sind vor allem die stark gestiegenen Energiepreise. Die Ölpreise haben sich infolge geopolitischer Spannungen und kriegsbedingter Ausfälle im Nahen Osten und in Russland deutlich verteuert, was sich unmittelbar in höheren Kosten für Kraftstoffe und Heizöl niederschlägt. Diese haben sich bislang kaum auf weitere Preissegmente wie Lebensmittel oder Dienstleistungen ausgewirkt – aber was nicht ist, kann ja bekanntlich noch werden.

Wichtig zu wissen: In Phasen steigender Inflation gilt Gold normalerweise als klassischer Inflationsschutz. Doch aktuell zeigt sich eine bemerkenswerte Abweichung von diesem Muster. Trotz zunehmender Geldentwertung präsentiert sich der Goldpreis vergleichsweise schwach und kann bislang nicht im gleichen Masse von der neuen Inflationsdynamik profitieren. Diese vermeintliche Anomalie hat mehrere Ursachen.

Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten von Gold

Ein zentraler Faktor sind die zuletzt deutlich gestiegenen Zinsen. Notenbanken reagieren auf die wieder anziehende Inflation mit einer restriktiveren Geldpolitik oder zumindest mit der Erwartung, dass die Zinsen länger auf einem höheren Niveau bleiben. Für Gold, das weder Zinsen noch Dividenden abwirft, bedeutet dies einen Wettbewerbsnachteil gegenüber zinstragenden Anlagen wie Staatsanleihen oder anderen Geldmarktinstrumenten. Steigende Renditen erhöhen somit die Opportunitätskosten von Gold (-> Zinsverzicht) und wirken sich derzeit belastend auf dessen Preis aus.

Hinzu kommt ein tendenziell stärkerer US-Dollar, der Gold zusätzlich unter Druck setzen kann, da das Edelmetall international in der US-Währung gehandelt wird. Gleichzeitig haben sich Teile der Kapitalströme in Richtung Aktienmärkte oder festverzinsliche Wertpapiere verlagert, was die Nachfrage nach Gold zusätzlich dämpft. Auch Gewinnmitnahmen nach der starken Preisentwicklung der vergangenen Jahre spielen eine Rolle.

Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass die aktuelle Inflationsrate trotz des jüngsten Anstiegs noch deutlich unter den Extremwerten der vergangenen Jahre liegt. Im November 2022 hatte die Geldentwertung in Deutschland noch bei 8,8 Prozent gelegen – ein Niveau, das die Kaufkraft massiv belastete und Gold als Absicherung besonders attraktiv erscheinen liess. Vor diesem Hintergrund wirkt die derzeitige Inflationsentwicklung relativ moderat, auch wenn der jüngste Anstieg durchaus ein Warnsignal darstellt.

Wie die Fed das Inflationsrisiko einstuft

Die US-Notenbank Fed hat auf ihrer jüngsten Sitzung (29. April) die Fed Funds erneut unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen – bereits zum dritten Mal in Folge. Bemerkenswert war dabei die ungewöhnlich starke Spaltung innerhalb des Offenmarktausschusses: Das Ergebnis fiel nämlich 8:4 aus und beinhaltete damit die höchste Zahl an Gegenstimmen seit 1992.

Die Meinungsverschiedenheiten verliefen dabei in unterschiedliche Richtungen. Drei Fed-Präsidenten – Hammack, Kashkari und Logan – lehnten es ab, dass das Statement überhaupt eine Lockerungs-Tendenz signalisiert, da sie angesichts hartnäckig hoher Inflation keine baldigen Zinssenkungen für angemessen halten. Gouverneur Miran hingegen stimmte für niedrigere Zinsen. Fed-Chef Powell verteidigte die Beibehaltung des Lockerungs-Signals, da die Mehrheit des Ausschusses dafür votiert hatte.

Als zusätzlichen Kontext gab Powell bekannt, dass er nach dem Ende seiner Amtszeit als Fed-Vorsitzender am 15. Mai vorerst als Gouverneur im Amt bleiben wird – ein ungewöhnlicher Schritt, den er mit laufenden Untersuchungen der Trump-Regierung gegen die Notenbank begründete. Für Anleger bleibt das Bild damit komplex: Zinssenkungen sind in näherer Zukunft wenig wahrscheinlich, solange Inflation und geopolitische Unsicherheit – insbesondere durch den Krieg im Iran und hohe Energiepreise – das Bild trüben. Von möglichen Zinserhöhungen ist derzeit aber auch keine Rede, obwohl das FedWatch-Tool des US-Terminbörsenbetreibers CME Group eine Wahrscheinlichkeit von über 39 Prozent anzeigt, dass wir Ende April 2027 höhere US-Leitzinsen als heute sehen werden.

Inflationsschutz Gold bleibt weiterhin attraktiv

Langfristig könnte sich das Umfeld für Gold jedoch wieder deutlich verbessern. Denn steigende Zinsen haben nicht nur negative Auswirkungen auf das Edelmetall, sondern erhöhen gleichzeitig den Druck auf die Schuldentragfähigkeit vieler Industrieländer. Höhere Finanzierungskosten treffen auf historisch hohe Schuldenstände, was das Risiko von fiskalischen Spannungen oder Marktverwerfungen erhöht. Aus Sicht der Finanzmarktlehre gehen steigende Renditen zudem grundsätzlich mit höheren Risiken einher – sei es in Form von Ausfallrisiken oder steigenden Kontrahentenrisiken im Finanzsystem.

Genau hier liegt die besondere Stärke von physischem Gold. In Form von Barren und Münzen ist es frei von Gegenparteirisiken und nicht von der Zahlungsfähigkeit eines Emittenten abhängig. Dieses Alleinstellungsmerkmal gewinnt gerade in Phasen zunehmender Unsicherheit an Bedeutung. Während andere Anlageklassen direkt von der Stabilität von Staaten, Banken oder Unternehmen abhängen, stellt Gold einen realen Vermögenswert dar, der unabhängig vom Finanzsystem existiert.

Auf lange Sicht hat sich Gold als Inflationsschutz und Wertaufbewahrungsmittel bestens bewährt – und daran dürfte sich auch in Zukunft höchstwahrscheinlich wenig ändern.

Creator: Dilok Klaisataporn
File#: 1414422735
Bildquelle: www.istockphoto.com


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