Deutschland wird zwar häufig als „Land der Dichter und Denker“ bezeichnet, beim Thema Geld bzw. Geldanlage existieren laut diversen Studien allerdings erhebliche Wissenslücken. Diese sollten angesichts der drohenden Rentenlücke unbedingt geschlossen werden.
Olaf Scholz‘ Geldanlage kein gutes Beispiel
Im Herbst 2019 sorgte ein Interview des damaligen Bundesfinanzministers und späteren Bundeskanzlers Olaf Scholz für grosses Aufsehen: Auf die Frage, wie er sein eigenes Geld anlege, antwortete er knapp, dass es vor allem auf dem Sparbuch und dem Girokonto liege. Diese scheinbar banale Antwort verdeutlicht ein grosses Phänomen bzw. Problem in Deutschland – viele Menschen halten immer noch einen Grossteil ihres Geldes in klassischen, verzinsungslosen oder schwach verzinsten Formen des Sparens. Nach jüngsten Statistiken der Deutschen Bundesbank besassen deutsche Privathaushalte Ende September 2025 fast 3.500 Milliarden Euro an Bargeld, Sichteinlagen, Termineinlagen, Spareinlagen und Sparbriefe.
Warum ist diese Geldhaltung nicht besonders sinnvoll? Sparbücher, Giro- und Tagesgeldkonten bieten seit Jahren nur sehr niedrige Zinsen. Nur zur Info: Im vergangenen Jahr lagen die durchschnittlichen Zinsen für Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist bei lediglich 0,63 Prozent. In Zeiten von Inflation – also steigenden Preisen – verliert das dort geparkte Geld real sukzessive an Kaufkraft, schließlich wurde für 2025 eine Inflation von 2,2 Prozent gemeldet. Das bedeutet: Trotz nominal gleichbleibender Kontostände verliert das Geld Jahr für Jahr an Kaufkraft. So reduziert sich zum Beispiel die Kaufkraft von 100.000 Euro Bargeld bei einer unterstellten jährlichen Inflation von zwei Prozent innerhalb von zehn Jahren auf nur noch 81.707 Euro. Um diesen Kaufkraftverlust zu kompensieren, müssen Anlageformen wie Aktien, Investmentfonds, ETFs, Krypto-Assets, Rohstoffe oder Edelmetalle möglichst höhere Renditen als zwei Prozent liefern.
Finanzwissen bzw. -bildung sind unzureichend
Wie gut ist Finanzbildung in Deutschland wirklich? Verschiedene Untersuchungen und Studien legen nahe, dass viele Menschen grundlegende Kenntnisse rund um Geld, Zinsen, Altersvorsorge und Anlagemöglichkeiten vermissen. Eine Jugendstudie des Bundesverbands deutscher Banken von 2024 zeigt zum Beispiel, dass ein überwältigender Anteil junger Menschen – nämlich 92 Prozent der 14- bis 24-Jährigen – sich mehr Wirtschafts- und Finanzwissen in der Schule wünscht. Themen wie „Umgang mit Geld“, „Altersvorsorge“ und „Finanzsystem“ stehen dabei ganz oben. Gleichzeitig geben viele junge Menschen an, im Schulunterricht wenig bis gar nichts über diese wichtigen Bereiche gelernt zu haben.
Diese Defizite werden auch in einer gemeinsamen Analyse des Bundesfinanzministeriums und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigt. Laut OECD-Bestandsaufnahme zur Finanzbildung in Deutschland sind zwar Grundkenntnisse oft vorhanden, aber es gibt klare Lücken in einzelnen Themenbereichen und Bevölkerungsgruppen. Finanzielle Resilienz – also die Fähigkeit, finanzielle Rückschläge zu überstehen – und Grundwissen über Anlageprodukte sind bei vielen nur unzureichend ausgeprägt.
Die OECD-Studie zur finanziellen Bildung selbst – die sogenannte OECD/INFE International Survey of Adult Financial Literacy – belegt, dass finanzielle Kenntnisse, Verhalten und Einstellungen stark variieren. Die Ergebnisse zeigen, dass in vielen Ländern, auch in Deutschland, immer noch viel Luft nach oben in puncto finanzieller Allgemeinbildung besteht. Erwachsene, die über ein höheres finanzielles Wissen verfügen, zeigen tendenziell ein höheres finanzielles Wohlbefinden und sind besser in der Lage, Risiken und Chancen ihrer Geldentscheidungen abzuwägen.
Ursachen der Defizite
Warum ist Finanzwissen in Deutschland so schwach ausgeprägt? Ein Grund liegt im Bildungssystem: Wirtschaftliche und finanzielle Themen spielen in vielen Lehrplänen nur eine untergeordnete Rolle. Obwohl Jugendliche ausdrücklich mehr Finanzbildung fordern, fehlt oft eine systematische, empirisch fundierte Vermittlung von Finanzwissen in Schulen.
Förderangebote und Initiativen gibt es zwar, doch erreichen sie meist nur einen kleinen Teil der Bevölkerung und sind nicht immer empirisch evaluiert. Die OECD-Analyse stellte fest, dass viele Programme zwar relevante Themen abdecken, aber nicht ausreichend darauf ausgelegt sind, bestimmte Zielgruppen effektiv zu erreichen oder langfristig messbare Verbesserungen im Wissen zu erzielen.
Ein weiterer Faktor ist die digitale Welt: Junge Menschen nutzen vermehrt digitale Finanzangebote und Plattformen – von Trading-Apps bis Kryptowährungen – ohne immer über das notwendige Grundwissen über Risiken und Chancen zu verfügen.
Bedeutung für die Zukunft – besonders die Altersvorsorge
Warum ist Finanzwissen so wichtig? In Deutschland wächst die Erkenntnis, dass die gesetzliche Rente allein künftig nicht ausreichen wird, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten – Stichwort Rentenlücke. Private Altersvorsorge wird daher immer wichtiger. Ein gut bezahlter Job und rentable Investments in langfristige Anlageformen wie Aktien, Fonds Rohstoffe und Edelmetalle bieten die Chance, zusätzliche Einkünfte im Ruhestand zu erzielen. Doch dafür braucht es Wissen über Zinseszins, Renditen, Risikostreuung und die richtige Balance zwischen Sicherheit und Wachstum.
Menschen mit besserem Finanzwissen entscheiden sich eher für rentable Anlageformen und können besser einschätzen, was zu ihrem Lebensplan passt. Ohne dieses Wissen laufen viele Gefahr, ihr Geld in sicheren, aber wenig ertragreichen Formen zu parken – und dadurch langfristig Kaufkraft zu verlieren.
Finanzbildung ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit
Derzeit wächst die Erkenntnis, dass Finanzwissen sowohl für die individuelle als auch die gesellschaftliche Wohlstandssicherung extrem wichtig ist. Doch der Weg zu einer umfassenden, breit wirkenden Finanzbildung ist noch lang. Es braucht systematische Bildungsangebote, gezielte Förderung in Schulen und Erwachsenenbildung, und vor allem eine gesellschaftliche Wertschätzung dafür, dass finanzielle Kompetenz keine Nebensache ist, sondern ein Grundbaustein für wirtschaftliche Selbstbestimmung und Zukunftssicherung.
Der aktuelle Bundeskanzler Friedrich Merz war von 2016 bis 2020 Aufsichtsratsvorsitzender der BlackRock Asset Management Deutschland AG, einer Tochter des weltweit grössten Vermögensverwalters. Diese berufliche Erfahrung sollte ihm ein Bewusstsein für die Bedeutung von Finanzwissen und Kapitalmarktinvestitionen vermittelt haben und bei der politischen Gestaltung der künftigen Finanzbildungsstrategie Deutschlands von Vorteil sein.
Bildnachweis: Nur
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Bildquelle: AdobeStock.com
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