Hohe Kosten, wachsende Bürokratie und unsichere Rahmenbedingungen setzen Familienunternehmen unter Druck. Besonders junge Unternehmer stehen vor grossen Herausforderungen. Darüber sprechen wir mit Thomas Hoppe, seit 2023 Bundesvorsitzender des Verbandes DIE JUNGEN UNTERNEHMER.

Herr Hoppe, wie beurteilen Sie aktuell die wirtschaftliche Lage für kleine und mittlere Familienunternehmen in Deutschland – insbesondere mit Blick auf die hohen Kosten bei Rohstoffen, Energie und Personal sowie angesichts globaler Unsicherheiten?

Die Lage ist ernst. Viele kleine und mittlere Familienunternehmen stehen unter massivem Druck. Hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Lohnzusatzkosten und eine schwache internationale Nachfrage treffen auf eine ohnehin fragile Konjunktur. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten und eine überbordende Regulierung. Deutschland verliert seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit. Unsere Unternehmen sind leistungsfähig und innovativ – aber ihre Investitionen müssen sich rechnen. Von der Regierung erwarten wir ein klares wirtschaftspolitisches Bekenntnis zu Wachstum und unternehmerischer Freiheit, was dann konkret bedeutet, dass der Kostenmix aus Steuern, Lohnzusatzkosten, Energie und Bürokratie nicht höher sein darf als in anderen Industrieländern.

Junge Unternehmer stehen oft vor besonderen Herausforderungen. Was sind Ihrer Meinung nach die grössten Hemmnisse, die junge Unternehmen in besonders hohem Masse beeinträchtigen?

Junge Unternehmer tragen doppelte Verantwortung: Sie müssen ihr Unternehmen stabilisieren und gleichzeitig modernisieren. Die grössten Hemmnisse sind aus meiner Sicht die hohe steuerliche und bürokratische Belastung, der Fachkräftemangel und der erschwerte Zugang zu Kapital. Wer heute investiert, geht enorme Risiken ein.

Viele Firmen fühlen sich durch bürokratische Hürden ausgebremst. Welche konkreten bürokratischen Belastungen sind Ihrer Ansicht nach am drückendsten – und welche Massnahmen sollte die Politik deshalb schnellstmöglich ergreifen?

Unternehmen berichten uns von immer neuen Dokumentationspflichten, komplexen Berichtsvorgaben und langwierigen Genehmigungsverfahren. Ob Lieferkettensorgfaltspflichten, Nachhaltigkeitsberichte oder Arbeitszeitdokumentation. Wir brauchen einen echten Bürokratiestopp. Jede neue Regel muss mit dem Abbau bestehender Pflichten verbunden sein. Genehmigungsverfahren müssen digitalisiert und deutlich beschleunigt werden – und der Staat muss die Daten, die er schon hat, erst mal bei sich selbst suchen, bevor er die immer gleichen Infos bei uns abfragt. Wer investieren will, sollte zudem nicht jahrelang auf Bescheide warten müssen.

Ein oft genannter Kritikpunkt ist die Komplexität des Steuersystems. Welche konkreten Steuer- oder Abgabereformen würden Sie aus Sicht junger Unternehmer empfehlen, um Wachstum zu fördern?

Wir brauchen ein einfacheres und international wettbewerbsfähiges Steuersystem. Dazu gehören eine spürbare Senkung der Unternehmenssteuerbelastung und die Abschaffung des Solidaritätszuschlags für alle. Wichtig ist ausserdem, Mehrarbeit nicht weiter durch hohe Abgaben zu bestrafen. Wenn bei unseren Mitarbeitern zusätzliche Leistung kaum im Portemonnaie ankommt, leidet darunter die Motivation. Wachstum entsteht nur dort, wo Leistung sich lohnt – und nicht dort, wo von jedem mehr verdienten Euro 50 Cent im Staatsapparat verschwinden.

Ein zentrales Thema ist die Zukunft der Altersvorsorge und Rente. Wie sehen Sie die aktuelle Rentenpolitik – und welche Perspektiven oder Reformansätze wären für junge Unternehmer wichtig, um finanzielle Absicherung langfristig zu gewährleisten?

Die aktuelle Rentenpolitik verschiebt die Lasten zunehmend auf die junge Generation. Das ist weder generationengerecht noch nachhaltig. Wir brauchen eine ehrliche Reformdebatte. Dazu gehören eine stärkere kapitalgedeckte Vorsorge, ein späteres tatsächliches Renteneintrittsalter entsprechend der steigenden Lebenserwartung und klare Ausgabenbegrenzungen. Auch der Ausbau beim Leistungsumfang der gesetzlichen Rentenversicherung muss wieder zurückgenommen werden – also die Mütterrenten und die „Rente mit 63“. Wer heute unternehmerische Verantwortung übernimmt, braucht die politische Zusage, dass die Sozialabgaben nicht noch weiter steigen.

Wie beurteilen Sie den in den Medien häufig thematisierten Generationenkonflikt innerhalb der Arbeitswelt?

Ich halte wenig von einer pauschalen Gegenüberstellung von Jung gegen Alt. In Unternehmen arbeiten immer mehrere Generationen erfolgreich zusammen. Aber junge Mitarbeiter erwarten deutlich stärker, dass die technischen Möglichkeiten wie Video-Konferenzen für mehr Home-Office oder das digitale Arbeiten für mehr Arbeitszeit-Flexibilität zugunsten junger Familien genutzt werden. Die Generation Z ist damit gross geworden.

Welche Zukunftsthemen oder Trends sehen Sie für junge Unternehmen in Deutschland in den kommenden Jahren als besonders relevant? Kann KI möglicherweise die wichtigsten Probleme unserer Zeit beseitigen?

Digitalisierung und künstliche Intelligenz werden zentrale Treiber sein. KI kann Prozesse effizienter machen, Fachkräftemangel teilweise abfedern und Innovation beschleunigen. Noch ist Deutschlands Industrie stark – wenn es gelingt, aus den Daten, z. B. von Maschinen, über KI neue Servicedienstleistungen oder neue Produkte zu entwickeln, eröffnen sich neue Märkte. Die Nation, der es gelingt, flächendeckend selbstfahrende Autos zuzulassen, wird viele neue Geschäftsfelder ermöglichen. KI eröffnet viele faszinierende Perspektiven – aber sie ersetzt keine gute Politik und keine kreativen Ideen. Technologie ist ein Werkzeug. Entscheidend sind gute Rahmenbedingungen, Investitionsanreize und unternehmerische Freiheit. KI kann helfen – sie kann politische Versäumnisse jedoch nicht kompensieren.

Abschliessend: Was würden Sie jungen Unternehmerinnen und Unternehmern, die gerade starten oder vor schwierigen Entscheidungen stehen, mit auf den Weg geben – besonders in Bezug auf Durchhaltevermögen, strategische Planung und unternehmerische Verantwortung?

Unternehmertum war nie ein leichter Weg. Wer gründet oder übernimmt, braucht Mut, einen langen Atem und strategische Klarheit. Wichtig ist, Risiken realistisch einzuschätzen, aber sich nicht von Unsicherheit lähmen zu lassen. Unternehmer tragen Verantwortung für Mitarbeitende, Familien und oft ganze Regionen. Diese Verantwortung ist eine grosse Aufgabe – aber auch eine grosse Chance. Wer konsequent an seiner Vision arbeitet und gleichzeitig flexibel bleibt, kann auch in schwierigen Zeiten erfolgreich sein.

Bildquelle: @AnneGrossmannFotografie


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