Jürgen Birner leitet seit fast 17 Jahren die Filiale im Münchner Goldhaus, der Firmenzentrale von pro aurum. Er hat in der Welt der Edelmetalle mittlerweile viel erlebt und hatte daher im Interview einiges zu erzählen.
Herr Birner, Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten beruflich mit Edelmetallen. Wie hat alles angefangen – gab es ein prägendes Erlebnis oder einen konkreten Moment, der Sie damals in diese Branche geführt hat?
Jürgen Birner: Daran erinnere ich mich noch sehr gut. Vor ungefähr 25 Jahren hat mich das Thema – zusammen mit einigen meiner damaligen Sparkassenkollegen – ziemlich stark beschäftigt. Damals habe ich sogar Tagesveranstaltungen zum Thema Gold privat besucht, bei denen man mehrere Hundert Euro Kursgebühr bezahlen musste. Auslöser war vor allem das damalige Platzen der Blase bei Internetaktien im März 2000. Danach habe ich mir eine andere Sichtweise über den Zustand des globalen Finanzsystems angeeignet. Der Kontakt zu pro aurum bestand schon kurz nach der Gründung bei meinen ersten Goldkäufen in der damaligen Filiale in der Grillparzer Strasse sowie auch bei der ersten Internationalen Edelmetall- & Rohstoffmesse, die 2005 in der Event-Arena im Olympiapark stattfand. Schon damals begeisterten mich nicht nur das Thema selbst, sondern auch das Unternehmen pro aurum. Im Jahr 2009 kam es schliesslich zu Gesprächen mit der Geschäftsführung von pro aurum, die kurze Zeit später zu meiner Einstellung führten. Bald darauf übernahm ich die Leitung der Filiale im pro aurum Goldhaus – eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe, und eine Aufgabe, die mir nach wie vor sehr viel Freude bereitet.
Sie haben die Edelmetallbranche in den vergangenen Jahren intensiv beobachtet und mittlerweile einige Krisen miterlebt. Wie hat sich die Stimmung unter den Anlegern während dieser Zeit verändert – und gibt es eine Marktphase, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Tja, wo soll ich da anfangen? Turbulente Marktphasen gab es schliesslich einige und diese waren insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass bei pro aurum in den Jahren 2003 bis 2005 die Schlange der Goldkäufer zeitweise bis ins Freie reichte. Danach folgten bekanntlich immer wieder neue Krisen. Besonders gut erinnere ich mich natürlich an die Griechenlandkrise im Mai 2010, als unsere Kunden Wartezeiten von bis zu zweieinhalb Stunden erdulden und unsere Mitarbeiter und die Server unseres Onlineshops Höchstleistungen vollbringen mussten. Es folgten immer wieder solche Phasen wie zum Beispiel nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs, als der extreme Andrang fünf bis sechs Wochen angedauert hat. Und man hat das Gefühl, dass dieses Phänomen mittlerweile in immer kürzeren Abständen eintritt und Anleger immer mehr von Angst, Gier und Hoffnung getrieben sind.
Der Goldpreis hat sich in den vergangenen 25 Jahren von unter 300 Dollar auf heute über 4.700 Dollar vervielfacht. War diese Entwicklung für Sie absehbar – oder hat auch Sie diese Entwicklung überrascht?
Also ich empfehle Gold als Vermögensabsicherung seit 2001 zum Kauf und habe stets auf das enorme Kurspotenzial hingewiesen. Ein guter Kunde, der meine Vorträge häufig besuchte, hat mir kürzlich einmal sogar gestanden, dass er mich anfänglich für einen „Spinner“ gehalten habe. Ich kann Sie beruhigen – mittlerweile hat er dieses Urteil revidiert und eingestanden, dass ich mit meiner Einschätzung richtiglag und sich die Prognosen bewahrheitet haben. Und solange die enormen geldpolitischen Probleme global nicht gelöst sind, halte ich an meiner Kaufempfehlung weiterhin fest und gehe zudem davon aus, dass sich der Goldpreis auch in Zukunft sehr gut entwickeln wird.
pro aurum versteht sich nicht nur als Händler, sondern auch als umfassender Dienstleister rund um physische Edelmetallanlagen. Was bedeutet das konkret im Filialgeschäft – was unterscheidet pro aurum von einem klassischen Münzhändler oder einer Bank?
Bei uns können Anleger deutlich mehr als Barren oder Münzen aus Gold, Silber, Platin oder Palladium handeln. Für uns spielt es aus unternehmerischer Sicht übrigens keine Rolle, ob wir die Edelmetalle an unsere Kundschaft verkaufen oder zurückkaufen – viel wichtiger ist, dass das Interesse an Gold nicht nachlässt. Wir empfehlen zwar eine Anlagestrategie, in der insbesondere Gold eine wichtige Rolle einnimmt, grundsätzlich sehen wir uns selbst aber vor allem als Berater. Hin und wieder kommt es sogar vor, dass wir potenziellen Kunden abraten müssen, ihre kompletten Ersparnisse in Gold einzutauschen. Wer sich für eine physische Edelmetallanlage definitiv entschieden hat, beraten wir dann hinsichtlich der Besonderheiten von Barren und Münzen, informieren über eine sinnvolle Stückelung und die daraus resultierenden Aufgelder sowie eine etwaige Mehrwertsteuerpflicht bei Weissmetallen. Edelmetallnahe Dienstleistungen wie unser Goldsparplan oder das sichere Lagern und Verwahren in Schliessfächern, im Edelmetalldepot oder im Schweizer Zollfreilager sind ebenfalls relativ beratungsintensiv. Unsere Broschüre „Erfolgreiche Anlagestrategie mit physischen Edelmetallen“ dient dabei als hilfreicher Leitfaden.
Wie hat sich das Edelmetallgeschäft in den vergangenen Jahren konkret verändert? Was läuft heute besser als früher – und wo sehen Sie auch Entwicklungen, die Sie kritisch beobachten?
Ein wesentlicher Punkt hat sich auf jeden Fall geändert – das anonyme Tafelgeschäft. Dieses wurde nämlich in den vergangenen Jahren von ursprünglich 15.000 Euro auf mittlerweile lediglich 2.000 Euro reduziert. Das heisst: Ohne Ausweispflicht kann man die besonders beliebten Krügerrand-Unzenmünzen in Gold heutzutage gar nicht mehr erwerben. Durch die Digitalisierung hat sich aber auch vieles zum Besseren verändert, schliesslich wird unser Onlineshop seit 2004 ausgesprochen rege genutzt und auch das Informieren unserer Kundschaft via Kundenmagazin oder Internetseite bringt Anlegern viele Vorteile in Form von zusätzlichem Fachwissen. Ausserdem bieten wir seit der Pandemie auf Wunsch auch Online-Beratung via Videokonferenz an.
Die Edelmetallhändlertests von FOCUS Money führen pro aurum regelmäßig in der Spitzengruppe auf. Worauf sind Sie intern besonders stolz?
Zum einen darauf, dass wir in vielen Kategorien wie Filialen, Onlinehandel, Goldankauf, Lagerung usw. – also in der gesamten Angebotspalette – mit Bestnoten ausgezeichnet wurden. Zum anderen aber auch auf die Kontinuität der Auszeichnungen, schließlich landet pro aurum Jahr für Jahr auf der Besten-Liste, was sich insbesondere für Erstkäufer als wichtiges Indiz für Seriosität und Qualität erwiesen hat.
pro aurum ist seit über 20 Jahren am Markt. Wie würden Sie Ihre typische Kundschaft beschreiben? Hat sich das Profil des Edelmetallkäufers über die Jahre gewandelt – und falls ja, in welche Richtung?
Früher bestand unsere Kundschaft vorwiegend aus älteren Personen – ab 50 bis 60 Jahren aufwärts. Mittlerweile finden aber auch immer mehr Jüngere den Weg zu pro aurum. Langjährige Stammkunden verfügen häufig über ein ausgeprägtes Fachwissen und wissen genau, was sie wollen. Besonders erfreulich: Viele von ihnen empfehlen uns im Freundes- und Bekanntenkreis weiter. Erstkäufer oder weniger erfahrene Edelmetallinteressierte möchten vor einem konkreten Erwerb edler Münzen oder Barren hingegen unverbindlich beraten werden.
Fachwissen vermitteln Sie persönlich auch, indem Sie regelmässig Vorträge über Gold und Geld halten – auch an verkaufsoffenen Samstagen. Wie sieht so ein Vortrag typischerweise aus?
Mittlerweile habe ich über 700 solcher Vorträge im In- und Ausland durchgeführt. An jedem verkaufsoffenen Samstag haben Interessierte im Goldhaus München die Möglichkeit, sich im Anschluss an eine Hausführung Fachwissen über Geld und Gold anzueignen. Derzeit steht in meinen Vorträgen folgende Frage im Mittelpunkt: Steht uns der eigentliche Goldpreis-Anstieg noch bevor? Ausserdem zeige ich auf, warum man Geldvermögen reduzieren und Sachvermögen erhöhen sollte. Genau dies ist meine Empfehlung seit 2001: Der Edelmetallsektor stellt dabei einen wesentlichen Bestandteil dar, da Gold seit Generationen einen zuverlässigen Schutz bei Wertverlust von Papiergeldwährungen bietet.
Nach dem grossen Erfolg des pro aurum Goldhauses soll nun ein „Silberhaus“ entstehen. Was steckt dahinter – und warum bekommt Silber als eigenständiges Thema ein eigenes Zuhause?
Es ist zwar noch Zukunftsmusik, aber direkt neben unserem Goldhaus im Münchner Osten wird unser neues Silberhaus entstehen. Geplant sind eine direkte Verbindung zum Goldhaus sowie mehrere Büros, eine weitere Schliessfachanlage und eine Erweiterung des Kassen- und Tresorbereichs, um dem boomenden Geschäft und der wachsenden Belegschaft gerecht zu werden.
Wie sieht die aktuelle Hausmeinung von pro aurum konkret aus – was sollten Anleger bezüglich einer anzustrebenden Edelmetallquote unbedingt beachten?
Unsere Anlagestrategie empfiehlt eine Goldquote zwischen fünf und 25 Prozent des Gesamtvermögens. Wichtig: Nach der Portfoliotheorie von Wirtschaftsnobelpreisträger Harry Markowitz bezieht sich der Anteil von Gold nicht auf das liquide Geldvermögen, sondern auf das Gesamtvermögen. An dieser Einschätzung hat sich seit der Gründung von pro aurum kaum etwas geändert. Wer seinem Vermögensschutz Silber beimischen möchte, sollte auf eine Aufteilung von maximal 20 Prozent Silber zu 80 Prozent Gold achten.
Bildquelle: pro aurum / Fotograf: Studioline Online World
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