Gold und Silber haben in den vergangenen Jahren sowohl eine starke Nachfrage als auch deutliche Preissteigerungen erlebt. Viele Anleger haben in dieser Zeit ihre Edelmetallbestände als strategische Vermögensreserve ausgebaut. Gleichzeitig kann es immer wieder Situationen geben, in denen kurzfristige Liquidität gefragt ist. Eine mögliche Lösung: Edelmetalle beleihen statt verkaufen. Über Funktionsweise, Chancen und Grenzen sprechen wir mit Tobias Wendt, Bereichsleiter Firmenkunden und Baufinanzierung bei der Volksbank Löbau-Zittau eG – einem Kooperationspartner von pro aurum im Bereich Edelmetalldarlehen.
Viele Anleger halten Gold als strategische Reserve. Warum gewinnt gerade jetzt das Thema Edelmetalldarlehen an Bedeutung?
Das Edelmetalldarlehen ermöglicht Anlegern, ihre Bestände zu beleihen und damit Liquidität zu erhalten, ohne ihre strategische Position im Edelmetall aufgeben zu müssen. Das ist insbesondere in einem Umfeld interessant, in dem Edelmetalle über längere Zeiträume deutliche Wertsteigerungen gezeigt haben. Viele Anleger möchten an dieser Entwicklung weiter partizipieren und ihre Bestände deshalb nicht verkaufen. Das Darlehen bietet in solchen Fällen eine flexible Lösung: Der Anleger erhält Liquidität für Investitionen, Überbrückungen oder andere Finanzierungsbedarfe, während das Edelmetall weiterhin als Vermögensreserve bestehen bleibt.
Was unterscheidet ein Edelmetalldarlehen konkret von einem klassischen Raten- oder Konsumentenkredit?
Der zentrale Unterschied liegt in der Besicherung. Klassische Raten- oder Konsumentenkredite werden häufig ausschliesslich auf Basis der Bonität des Kunden vergeben. Die Bank prüft also vor allem Einkommen, finanzielle Verpflichtungen und die allgemeine Kreditwürdigkeit. In vielen Fällen handelt es sich dabei um sogenannte Blankokredite – also Darlehen ohne konkrete Sicherheiten. Beim Edelmetalldarlehen ist das anders. Hier dient physisches Edelmetall als Sicherheit für das Darlehen. Dadurch reduziert sich das Risiko für die finanzierende Bank erheblich. Für den Kunden hat das den Vorteil, dass er häufig deutlich günstigere Konditionen erhält. In der Praxis bewegt sich das Zinsniveau eher in Bereichen, die man aus gut besicherten Finanzierungen kennt, etwa aus der Immobilienfinanzierung.
Für welche Anleger ist ein Edelmetalldarlehen sinnvoll und wie läuft der Antrag ab?
Grundsätzlich richtet sich das Angebot an private Anleger, also an natürliche Personen mit Wohnsitz in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Prinzipiell kann ein Edelmetalldarlehen für viele unterschiedliche Situationen sinnvoll sein, denn der konkrete Verwendungszweck ist flexibel. Typische Anwendungsfälle sind zum Beispiel kurzfristige Liquiditätsbedarfe oder Zwischenfinanzierungen. Selbstständige nutzen solche Modelle etwa, um Liquidität zu überbrücken. Auch Immobilienbesitzer können ein Edelmetalldarlehen etwa für Renovierungen oder als Brückenfinanzierung einsetzen.
Darüber hinaus ist das Produkt auch für Privatkunden interessant, die ihr Portfolio flexibel steuern möchten, ohne ihre strategische Edelmetallposition aufzulösen.
Ein grosser Vorteil ist die vergleichsweise einfache Abwicklung. Die Edelmetalle müssen bei pro aurum eingelagert werden. pro aurum prüft zuvor die Qualität und Ankaufsfähigkeit. Der Kunde stellt anschliessend online den Kreditantrag bei der Volksbank Löbau-Zittau eG, legitimiert sich über das Postident-Verfahren oder auch per Videolegitimation und erhält die Vertragsunterlagen. Dadurch kann ein Edelmetalldarlehen häufig innerhalb weniger Tage bis etwa zwei Wochen umgesetzt werden – deutlich schneller als viele klassische Finanzierungen.
Wie hoch sind typischerweise die Darlehenssummen bei einem Edelmetalldarlehen?
Die Darlehenssummen hängen natürlich vom jeweiligen Edelmetallbestand des Kunden ab. Grundsätzlich beginnen Edelmetalldarlehen in der Regel ab etwa 30.000 Euro. Der durchschnittliche Darlehensbetrag liegt derzeit bei rund 130.000 Euro. Gleichzeitig gibt es auch grössere Finanzierungen. Die Höchstgrenze liegt aktuell bei 700.000 Euro. Die Volksbank denkt aber bereits darüber nach, diese Grenze demnächst zu verdoppeln.
Wie erfolgt die Bewertung der hinterlegten Edelmetalle – und was passiert bei stark fallenden Kursen?
Die Bewertung erfolgt auf Basis des aktuellen Marktwertes der hinterlegten Edelmetalle. Grundsätzlich hat die Bank definiert, dass sie maximal 60 Prozent des aktuellen Marktwertes beleiht. Aktuell liegt diese Beleihungsquote bei 50 Prozent. Sollten die Kurse in Relation zur notwendigen 50-prozentigen Absicherung um 20 Prozent und mehr fallen, ist eine Nachbesicherung notwendig, um das Ausgangsniveau der Absicherung wiederherzustellen. In diesem Fall hätte der Kunde die Möglichkeit, zusätzliche Edelmetalle als Sicherheit zu hinterlegen. Er kann alternativ aber auch einen Teil des Darlehens zurückführen.
Warum kann es sinnvoller sein, Gold zu beleihen, statt es zu verkaufen?
Der zentrale Punkt ist die Erwartungshaltung des Anlegers. Wenn ein Anleger davon ausgeht, dass sich sein Edelmetallbestand langfristig stärker entwickelt als der Zinssatz, den er für ein Darlehen zahlen muss, kann es sinnvoll sein, seine Edelmetalle nicht zu verkaufen.
Angenommen, der Zinssatz liegt beispielsweise bei rund 3,5 Prozent. Wenn ein Anleger überzeugt ist, dass sich seine Edelmetalle langfristig besser entwickeln als dieser Zinssatz, wäre ein Verkauf möglicherweise wirtschaftlich nachteilig. Durch ein Darlehen kann er Liquidität erhalten und gleichzeitig weiterhin an der möglichen Wertentwicklung des Edelmetalls partizipieren.
Hinzu kommt ein praktischer Aspekt: Wer Edelmetall verkauft und später wieder einsteigt, muss erneut An- und Verkaufsspannen tragen. Durch die Beleihung bleibt der Bestand im Portfolio erhalten. Für langfristig orientierte Anleger kann ein Edelmetalldarlehen daher eine Möglichkeit sein, Liquidität zu schaffen, ohne die strategische Edelmetallposition aufzugeben.
Bildnachweis: Philipp
Bildnummer: 672378069
Bildquelle: Adobestock.com / Composing pro aurum
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