In den vergangenen zwölf Monaten fielen die Inflationsraten in der Eurozone überraschenderweise niedriger als in den USA aus. Durch den Kriegsausbruch im Nahen Osten drohen beiden Wirtschaftsregionen steigende Verbraucherpreise.

Bei der Inflation droht Ungemach

Die Inflation schien zuletzt unter Kontrolle zu sein. Im Februar lag die jährliche Teuerungsrate in Deutschland bei lediglich 1,9 Prozent und auch in der Eurozone wurde dieser Wert erreicht. In den USA fiel sie mit 2,4 Prozent etwas höher aus. Für viele Marktteilnehmer schien damit ein stabiler Rückgang in Richtung der Zielmarke der Notenbanken bei zwei Prozent p.a. greifbar. Doch diese Phase relativer Entspannung könnte sich als trügerisch erweisen. Der eskalierende Krieg mit dem Iran bringt nämlich einen Faktor zurück in den Fokus, der historisch immer wieder für Inflationsschübe gesorgt hat: stark steigende Energiepreise.

Insbesondere die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten lassen die Ölpreise deutlich anziehen. Angriffe auf Energieinfrastruktur, Unsicherheiten rund um die Strasse von Hormus und drohende Angebotsengpässe haben die Preise für Öl und Gas deutlich nach oben getrieben. Da Energie ein zentraler Bestandteil nahezu aller Produktions- und Transportprozesse ist und in den repräsentativen Warenkörben stark gewichtet sind, wirkt sich ein Ölpreisanstieg schnell auf die gesamte Wirtschaft aus. Unternehmen geben steigende Kosten in der Regel an Verbraucher weiter – mit der Folge, dass die Inflation wieder anzieht. Genau dieses Szenario zeichnet sich nun für die kommenden Monate ab. Nur zur Erinnerung: Im Zuge des Ukraine-Kriegs ging es sowohl mit dem Ölpreis als auch mit den Inflationsraten ebenfalls deutlich bergauf. Im Jahr 2022 führte dies in der Spitze zu jährlichen Teuerungsraten von 9,1 Prozent (USA), 10,6 Prozent (Eurozone) und 8,8 Prozent (Deutschland).

Notenbanken werden vorsichtiger

Auch die Notenbanken haben diese Risiken klar benannt. Nach der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed (18. März 2026) machte Fed-Chef Jerome Powell deutlich, dass die Inflation zwar zuletzt gesunken sei, sich jedoch neue Aufwärtsrisiken ergeben hätten. Besonders steigende Energiepreise und geopolitische Spannungen könnten den Inflationsrückgang stoppen oder sogar umkehren. Powell betonte zudem, dass die Notenbank vorsichtig bleiben müsse und Zinssenkungen nicht voreilig in Aussicht stellen könne. Die Erwartung vieler Marktteilnehmer, dass eine lockere Geldpolitik unmittelbar bevorsteht, erhielt damit einen deutlichen Dämpfer. Mittlerweile zeigt das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group eine Wahrscheinlichkeit von lediglich 13 Prozent an, dass wir noch in diesem Jahr Zinssenkungen sehen werden.

Ähnlich vorsichtig äusserte sich die Europäische Zentralbank nach ihrer Sitzung (19. März 2026). Auch hier wurde darauf hingewiesen, dass der Inflationsdruck wieder zunehmen könnte, insbesondere wenn die Energiepreise dauerhaft auf hohem Niveau bleiben. Die EZB sieht zwar Fortschritte bei der Kerninflation, warnt jedoch vor Zweitrundeneffekten, die durch steigende Kosten ausgelöst werden können. Damit wird deutlich: Sowohl in den USA als auch in Europa rechnen die Währungshüter mit einer Phase erhöhter Unsicherheit und sehen zunehmende Aufwärtsrisiken für die Inflation.

Ifo Institut prognostiziert höhere Inflation

Diese Einschätzung wird auch von zahlreichen Analysehäusern und Volkswirten geteilt. Große Investmentbanken wie Goldman Sachs oder JPMorgan haben ihre Inflationsprognosen zuletzt angehoben und verweisen explizit auf die Risiken durch steigende Ölpreise. Konkret geht das Ifo Institut davon aus, dass in Deutschland die Inflationsrate auf knapp 2,5 Prozent steigen könnte, falls die Preise für Öl und Gas in den kommenden Wochen wieder nachgeben. Sollten die Preise für fossile Energieträger hingegen länger auf dem aktuell deutlich erhöhten Niveau verharren, könnte die Inflation auf knapp 3 Prozent ansteigen. In diesem Szenario würde ein dauerhaft hoher Ölpreis das Wirtschaftswachstum um rund 0,2 Prozentpunkte dämpfen.

Für Anleger hat diese Entwicklung weitreichende Konsequenzen. Steigt die Inflation, verlieren festverzinsliche Anlagen an Attraktivität. Insbesondere bei Staatsanleihen besteht die Gefahr, dass die nominal erzielten Renditen nicht mehr ausreichen, um die reale Kaufkraft zu erhalten. In einem solchen Umfeld entstehen negative Realzinsen – ein Szenario, das bereits in der Vergangenheit zu beobachten war. Bei deutschen Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit bewegen sich die erzielbaren derzeit knapp unter drei Prozent und fallen somit (noch) etwas höher als die Inflationsrate aus.

Komplexe Korrelationen beachten

Allerdings ist der Zusammenhang zwischen Inflation und Wirtschaftsentwicklung komplex. Hohe Inflation führt in der Regel zu steigenden Zinsen, da die Notenbanken gegensteuern. Höhere Zinsen wiederum bremsen die Konjunktur, verteuern Kredite und dämpfen den Konsum. Eine schwächere Nachfrage kann schliesslich dazu führen, dass der Preisdruck wieder nachlässt. Dieser Mechanismus wirkt wie ein Gegengewicht und könnte einen zu starken Inflationsanstieg begrenzen. Dennoch besteht die Gefahr, dass die Wirtschaft in eine Phase niedrigen Wachstums bei gleichzeitig erhöhten Preisen gerät.

Vor diesem Hintergrund rückt auch der klassische Inflationsschutz Gold wieder in den Fokus. Dieser profitierte im März zwar nicht von den geopolitischen Spannungen, auf lange Sicht bleibt das Edelmetall dennoch ein bewährtes Instrument zur Absicherung gegen Kaufkraftverluste. In Phasen negativer Realzinsen und wachsender Unsicherheit hat Gold in der Vergangenheit häufig an Attraktivität gewonnen.

Bildquelle: Composing pro aurum


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