Nachdem Goldpreis im März um über elf Prozent eingebrochen, zeigte er sich im April leicht erholt. Bei Redaktionsschluss (23.04.26) wies die globale Krisenwährung mit 4.695 Dollar einen leichten Monatsgewinn von 0,5 Prozent aus.

Irankrieg verursacht Inflationsschub im März

Der Iran-Krieg hat bereits im März 2026 spürbar auf die Inflation durchgeschlagen und die zuvor rückläufige Preisentwicklung abrupt gedreht. In den USA stieg die jährliche Inflationsrate auf 3,3 Prozent, nachdem sie im Februar noch bei 2,4 Prozent lag. In der Eurozone erhöhte sie sich von 1,9 auf 2,6 Prozent und in Deutschland von 1,9 auf 2,7 Prozent.

Haupttreiber dieser Entwicklung ist ein klassischer externer Angebotsschock: Der Krieg im Nahen Osten hat die Energiepreise deutlich nach oben getrieben. Vor allem Öl und Gas verteuerten sich infolge des Irankriegs – insbesondere der Blockade der Strasse von Hormus. In Deutschland stiegen die Energiepreise im März um mehr als sieben Prozent, was sich unmittelbar in höheren Kosten für Kraftstoffe und Heizöl niederschlug. Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Kraftstoffen aus, die sich im Jahresvergleich um rund 20 Prozent verteuerten, während leichtes Heizöl sogar um mehr als 44 Prozent zulegte. Diese Effekte wirken entlang der gesamten Wertschöpfungskette: Unternehmen geben steigende Kosten weiter, wenngleich die Nahrungsmittelpreise bislang mit einem Plus von nur 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr vergleichsweise moderat stiegen – klare Zweitrundeneffekte sind noch nicht eingetreten.

Wie nachhaltig dieser Inflationsschub ist, bleibt jedoch umstritten. Die Europäische Zentralbank warnt ausdrücklich vor den Inflationsgefahren des Konflikts: EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte, der Krieg werde sich kurzfristig durch höhere Energiepreise erheblich auf die Inflation auswirken, während die mittelfristigen Folgen von Intensität und Dauer des Konflikts abhingen. Die EZB hat ihre Inflationsprognose für 2026 bereits von 1,9 auf 2,6 Prozent angehoben. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) blickt vorsichtiger auf die Entwicklung: Er hat seine Wachstumsprognose für die Eurozone auf 1,1 Prozent gesenkt. Zugleich warnt der Fonds, dass die weltweiten Inflationserwartungen im Falle anhaltender Energiepreisschocks auf rund 4,4 Prozent steigen könnten. In einem solchen Szenario – etwa bei dauerhaft hohen Energiepreisen bis 2027 – droht laut IWF sogar ein Rückgang des globalen Wachstums auf etwa zwei Prozent.

Fest steht: Der Iran-Krieg hat die Inflation im März deutlich beschleunigt – vor allem über den Energiekanal. Wie stark und wie lange dieser Effekt anhält, hängt jedoch massgeblich vom weiteren Verlauf des Konflikts ab. Seriöse Prognosen sind angesichts der unberechenbaren geopolitischen Lage extrem schwierig – nichts scheint unmöglich.

Prognosen bleiben krisenbedingt extrem schwierig

Derzeit hat man den Eindruck, dass altbewährte Korrelationen nicht mehr funktionieren, und die Finanzmärkte (inkl. Edelmetalle) unberechenbar geworden sind. Eine im März veröffentlichte Studie des Department of Finance der Universität Zürich (Auftraggeber: Bank von Roll) kommt zu folgendem Ergebnis: Edelmetalle spielen im langfristigen Vermögensaufbau eine deutlich grössere Rolle, als es die klassische Finanztheorie bisher angenommen hat. Während sie in der Vergangenheit als „unproduktive“ Assets galten, zeigt die Analyse, dass sie in Kombination mit Aktien das Risiko-Rendite-Profil eines Portfolios verbessern können.

Im Zentrum steht dabei vor allem Gold. Es fungiere weniger als Renditetreiber, sondern vielmehr als eine Art Versicherung im Portfolio. In Krisenzeiten, wenn Aktien stark an Wert verlieren, stabilisiert Gold das Vermögen und erhält die Handlungsfähigkeit des Anlegers. Dadurch kann langfristig sogar ein besseres Gesamtergebnis erzielt werden, da Investoren nicht gezwungen sind, in ungünstigen Marktphasen zu verkaufen. Silber ergänzt diese Funktion, insbesondere in regelmässig ausbalancierten Portfolios. Aufgrund seiner stärkeren zyklischen Eigenschaften kann es zusätzliche Renditebeiträge liefern, während Gold für Stabilität sorgt. Platin hingegen spielt laut Studie kaum eine Rolle für den Vermögensaufbau.

Ein zentrales Ergebnis betrifft die Portfolioallokation: Je nach Modell und Marktumfeld macht ein Edelmetallanteil von etwa 20 bis 30 Prozent Sinn. Innerhalb dieser Quote wird eine klare Gewichtung zugunsten von Gold empfohlen – typischerweise etwa zwei Drittel Gold und ein Drittel Silber. Darüber hinaus betont die Studie, dass physischer Besitz von Edelmetallen Vorteile bietet, insbesondere im Hinblick auf Gegenparteirisiken.

Insgesamt stellt die Analyse die gängige Lehrmeinung infrage: Edelmetalle sind nicht nur ein defensiver Baustein, sondern ein zentraler Bestandteil einer robusten, langfristig erfolgreichen Vermögensstrategie. Diese Meinung vertritt pro aurum übrigens seit der Firmengründung im Herbst 2003 und empfiehlt seither seinen Kunden – je nach individueller Risikoneigung – eine Edelmetallquote zwischen 5 und 20 Prozent im Portfolio. Diese sollte aus 80 Prozent Gold und 20 Prozent Silber bestehen.

Robert Hartmann, Edelmetallprofi und Mitgründer von pro aurum, hat noch einen weiteren Tipp parat und sagt: „Wer noch keinerlei Edelmetalle besitzt, sollte ein Drittel der geplanten Gesamtinvestition auf dem aktuellen Niveau kaufen. Geht der Goldpreis weiter zurück, so bieten sich die Niveaus von 4.200 und 3.850 Dollar für weitere Zukäufe von einem Drittel an. Sollte der Goldpreis aber wieder über 5.000 Dollar steigen, ist meiner Meinung nach die seit Ende Januar anhaltende Korrektur beendet und man sollte spätestens dann alle geplanten Käufe durchführen.“ Langfristig stuft der erfahrene Edelmetallexperte Gold weiter als Kauf ein, schliesslich hätten sich die Rahmenbedingungen nicht geändert: Die Geldmengen steigen und die Staaten verschulden sich, als gäbe es kein Morgen. Er sagt: „Das ist langfristig inflationär. Gold hat die Aufgabe und Funktion, diesen Kaufkraftverlust durch Inflation auszugleichen. Und dies gelingt ihm seit Generationen.“

Was Anleger über Dollarstärke und Zinsanstieg wissen sollten

In den vergangenen Wochen wurde in Marktberichten häufig darauf hingewiesen, dass der Goldpreis unter dem starken Dollar und anziehenden US-Renditen leidet. Ungeachtet dessen hat er sich 2026 mit plus neun Prozent alles andere als schlecht entwickelt. Zur Erklärung: Ein starker US-Dollar belastet den Goldpreis, weil Gold weltweit in Dollar gehandelt wird. Wird der Dollar teurer, müssen Käufer aus anderen Ländern mehr bezahlen, was dann zu einer sinkenden Nachfrage führen kann. Gleichzeitig machen steigende US-Zinsen Anleihen attraktiver, da sie höhere Zinsen abwerfen. Gold bietet dagegen keine laufenden Erträge. Investoren schichten bei steigenden Zinsen oft von Gold in verzinsliche Anlagen um, was den Goldpreis zusätzlich unter Druck setzt.

Mit Blick auf diese Argumentation gibt Robert Hartmann aber folgendes zu bedenken und sagt: „Was Währungen angeht, ist der Dollar der Einäugige unter den Blinden. Nur der Schweizer Franken hat gegenüber Gold seit der Jahrtausendwende weniger an Wert verloren als der Dollar. US-Staatsanleihen würde ich daher gegenüber deutschen oder europäischen Anleihen bevorzugen.“ Zugleich weist er jedoch darauf hin, dass er seit mehr als 15 Jahren keine Anleihen mehr im Portfolio halte und erklärt: „Mir ist einfach das Risiko zu gross, dass das Vertrauen in Währungen und Anleihen von hoch verschuldeten Staaten irgendwann verlorengeht. Anleihegläubiger stünden dann vor einem erheblichen Verlust bis hin zum Totalverlust.“

In diesem Zusammenhang weist der Edelmetallprofi darauf hin, dass im Vorfeld der Bekanntgabe des diesjährigen „In Gold We Trust“-Report von der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum AG ein aktuelles 68 Seiten starkes PDF-Dokument mit hochinteressanten Charts und Grafiken veröffentlicht wurde. Hier können Sie die ausgesprochen nützlichen Infos herunterladen.

So sieht Robert Hartmann die Finanzmärkte

Die aktuellen Diskussionen über den drohenden Mangel an Kerosin, LNG und Öl sowie die im Zuge des Irankriegs zu beobachtende Preisexplosion inkl. Inflationsschub (siehe oben) lassen nur einen Schluss zu: An den Finanzmärkten herrscht ein hohes Mass an Verunsicherung. Edelmetallexperte Hartmann bewertet die aktuelle Lage folgendermassen und sagt: „Wenn die Strasse von Hormus noch länger geschlossen bleibt, wird es zu einem Mangel an Treibstoffen kommen. Das gilt insbesondere für asiatische Länder, die einen deutlich höheren Anteil ihrer Energiekäufe im Nahen Osten tätigen.“ Zugleich weist er darauf hin, dass dies die USA als Selbstversorger eher nicht treffen wird. Er konstatiert: „Eine Mangellage führt zwangsläufig zu höheren Energiepreisen. Höhere Energiepreise befeuern die Inflation. Das ist ein Grundgesetz der Ökonomie und somit für mich eine ausgemachte Sache.“

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

An der von pro aurum im Internet durchgeführten Edelmetall-Stimmungsumfrage haben sich im April 326 Personen (März: 626) beteiligt. Die Kaufbereitschaft der Investoren hat gegenüber dem Vormonat von 36,8 auf 40,4 Prozent erneut zugenommen. Die Quote einer abwartenden Haltung fiel mit 44,0 Prozent der Befragten marginal niedriger als im März (44,5 Prozent) aus. Nachgelassen hat hingegen die Verkaufsbereitschaft. Sie reduzierte sich im Berichtszeitraum von 18,7 auf 15,6 Prozent.

Hinsichtlich der aktuellen Bewertung der Edelmetallpreise gab es im April erhebliche Veränderungen zu beobachten. Bei der Einschätzung, dass Edelmetalle derzeit unterbewertet sind, war bspw. ein kräftiger Anstieg von 17,7 auf 30,3 Prozent registriert worden, während mittlerweile 45,9 Prozent der Befragten (März: 49,8 Prozent) eine faire Bewertung sehen. Deutlich geringer ausgeprägt ist die Ansicht, dass die Edelmetallpreise gegenwärtig überbewertet sind. Hier stellte sich nämlich gegenüber dem Vormonat ein markanter Rückgang von 32,5 auf 23,8 Prozent ein.

Bei der Frage nach der künftigen Preisentwicklung der Edelmetalle in den kommenden drei Monaten war eine stark wachsende Zuversicht registriert worden, schliesslich prognostizierten im April 50,9 Prozent der Umfrageteilnehmer steigende Edelmetallpreise. Im März lag diese Quote bei lediglich 38,5 Prozent. Die Meinung, dass die Edelmetallpreise seitwärts tendieren werden, hat sich im April leicht verstärkt und legte von 35,1 auf 37,1 Prozent zu. Regelrecht eingebrochen ist hingegen der Anteil der Pessimisten. Hier stellte sich im Berichtszeitraum ein Rückgang von 26,4 auf 12,0 Prozent ein.

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