Sparpläne boomen seit vielen Jahren und in Broschüren für diese Form des Investierens taucht immer wieder ein Fachbegriff auf: der Cost-Average-Effekt. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Durchschnittskosteneffekt, wie er auf Deutsch heisst?

Mit Blick auf die Notwendigkeit zur privaten Altersvorsorge und angesichts der nachlassenden Attraktivität von Staatsanleihen sollten sich Geldanleger folgende Fragen stellen: Wann macht ein Sparplan wirklich Sinn, wann ist möglicherweise die Einmalanlage die klügere Wahl und was sagt die Wissenschaft dazu?

Warum immer mehr Menschen regelmässig investieren

Die Zahl der Sparplandepots in Deutschland hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Ob ETF-, Fonds-, Aktien-, Gold- oder Krypto-Sparpläne – das Prinzip des regelmässigen, automatisierten Investierens trifft einen Nerv der Zeit. Mehrere Faktoren erklären diesen Trend.

Erstens hat die anhaltende Niedrigzinsphase der vergangenen Dekade das klassische Sparbuch als Renditeinstrument praktisch abgelöst. Wer Vermögen aufbauen will, muss an die Kapitalmärkte – und ein Sparplan senkt die Einstiegshürde erheblich. Schon ab kleinen monatlichen Beträgen können Anleger an der Wertentwicklung globaler Aktienmärkte teilhaben, ohne über ein grösseres Startkapital zu verfügen.

Zweitens hat die Digitalisierung des Bankenwesens den Einstieg in die Kapitalanlage massiv vereinfacht. Neobroker und Direktbanken ermöglichen es, binnen weniger Minuten einen ETF-Sparplan einzurichten – kostenlos, vollautomatisch und teilweise bereits ab einem Euro monatlicher Sparrate. Die technologische Hürde ist praktisch verschwunden.

Drittens hat ein wachsendes Bewusstsein für private Altersvorsorge die Nachfrage angekurbelt. Angesichts der demografischen Entwicklung und der Unsicherheiten rund um gesetzliche Rentenansprüche verstehen immer mehr Menschen, dass eigenverantwortliches Sparen keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist. Der Sparplan gilt dabei als bequemer, disziplinierender Einstieg.

Viertens haben Phasen starker Marktschwankungen – bis hin zu regelrechten Crashs – Privatinvestoren sensibilisiert. Wer nicht den richtigen Einstiegszeitpunkt treffen will oder kann, empfindet die Idee attraktiv, sich durch regelmässige Käufe unabhängig vom Marktgeschehen zu machen. Genau an diesem Punkt setzt der Cost-Average-Effekt an.

Was ist der Cost-Average-Effekt?

Der Begriff Cost-Average-Effekt – auf Deutsch auch Durchschnittskosteneffekt genannt – beschreibt ein mathematisches Phänomen, das bei regelmässigen Investitionen eines festen Geldbetrages in ein schwankendes Wertpapier auftritt. Das Kernprinzip lässt sich einfach erläutern: Wer monatlich einen konstanten Betrag in einen Fonds oder ETF investiert, kauft bei hohen Kursen automatisch weniger Anteile und bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile – und zwar ohne eigenes Zutun.

Die mathematische Grundlage des Effekts liegt im Unterschied zwischen dem arithmetischen Mittelwert und dem harmonischen Mittelwert von Kursen. Bei einer festen Sparrate entspricht der durchschnittliche Kaufpreis pro Anteil immer dem harmonischen Mittel der Kurse über den Anlagezeitraum. Und das harmonische Mittel ist – solange die Kurse nicht alle identisch sind – stets kleiner als das arithmetische Mittel. Anders formuliert: Das harmonische Mittel beschreibt den „echten“ Durchschnittspreis bei konstantem Geldeinsatz.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht den Mechanismus: Angenommen, jemand investiert drei Monate lang jeweils 100 Euro in einen Fonds. Im ersten Monat steht der Kurs bei 10 Euro – es werden also 10 Anteile erworben. Im zweiten Monat fällt der Kurs auf 5 Euro – es werden 20 Anteile gekauft. Im dritten Monat erholt sich der Kurs auf 10 Euro – es kommen wieder 10 Anteile hinzu. Insgesamt wurden 300 Euro investiert und 40 Anteile erworben. Der durchschnittliche Einkaufspreis liegt bei 7,50 Euro pro Anteil – obwohl der Kurs zweimal bei 10 Euro und einmal bei 5 Euro stand. Der Kurseinbruch wurde durch automatisch grössere Käufe gewinnbringend genutzt.

Dieses Bild klingt überzeugend – und es ist in sich rechnerisch korrekt. Das Problem liegt jedoch nicht in der Mathematik, sondern im Vergleichsmassstab: Niemand würde in der Praxis ernsthaft monatlich eine feste Anzahl von Wertpapieranteilen kaufen. Die relevante Frage ist vielmehr, ob der Sparplan gegenüber einer Einmalanlage über- oder unterlegen ist. Und hier wird die Diskussion deutlich komplexer.

Wichtig ist auch: Der Cost-Average-Effekt wirkt sich nur dann klar positiv aus, wenn die Kurse stark schwanken und während der Ansparphase fallen – denn nur dann werden in der Schwächephase günstig mehr Anteile erworben, die bei der späteren Erholung an Wert gewinnen. Bei permanent steigenden Kursen hingegen wird der Sparplan durch den Effekt sogar benachteiligt: Wer früh alles investiert hätte, hätte von der Gesamtentwicklung stärker profitiert.

Wann macht ein Sparplan mehr Sinn als ein Einmalinvestment?

Die entscheidende Frage, die sich Anleger stellen müssen, ist nicht ob der Cost-Average-Effekt existiert – das tut er aus mathematischer Sicht auf jeden Fall. Die relevante Frage lautet: Unter welchen Bedingungen ist ein Sparplan der Einmalanlage tatsächlich vorzuziehen?

Die klarste Antwort ergibt sich aus der persönlichen Situation: Wer schlicht kein grösseres Kapital zur Verfügung hat, für den stellt sich die Frage nach der Einmalanlage gar nicht. Wer monatlich 200 Euro zurücklegen kann, aber kein Startkapital von 10.000 Euro besitzt, für den ist der Sparplan die einzig sinnvolle Möglichkeit, systematisch an den Kapitalmärkten teilzuhaben. Der Sparplan ist in diesem Fall kein bewusstes strategisches Instrument gegen Marktschwankungen – er ist schlicht die realistisch machbare Anlageform.

Einen echten strategischen Vorteil gegenüber der Einmalanlage kann der Sparplan jedoch in stark schwankenden Marktphasen entwickeln. Wer zu einem ungünstigen Zeitpunkt eine grössere Summe investiert – beispielsweise kurz vor einem erheblichen Kursrückgang – erleidet zunächst erhebliche Buchverluste und muss die Nerven behalten, um nicht zu einem schlechten Zeitpunkt zu verkaufen. Der Sparplan hingegen glättet dieses Timing-Risiko automatisch: Ein Kurseinbruch wird zum günstigen Einstiegspunkt, nicht zum Anlass zur Panik.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Psychologie der Geldanlage. Viele Anleger wissen rational, dass sie langfristig investiert bleiben sollten – scheitern in der Praxis aber daran, den richtigen Einstiegszeitpunkt abzuwarten oder sich nach einem Crash zu einem Nachkauf zu überwinden. Ein automatischer Sparplan umgeht dieses Problem elegant: Das Geld fliesst regelmässig, unabhängig von Marktstimmungen, Schlagzeilen oder persönlichen Emotionen. Diese Automatisierung erzwingt eine Investitionsdisziplin, die vielen Anlegern sonst fehlt.

Ausserdem bietet der Sparplan einen strukturellen Vorteil in Märkten mit ausgeprägten Seitwärtsbewegungen oder hoher Volatilität. Wenn Kurse über längere Zeiträume schwanken, ohne klar zu steigen, profitiert der Sparplan-Anleger überproportional von den günstigen Kaufzeitpunkten. Je höher die Volatilität, desto stärker kann der Durchschnittskosteneffekt theoretisch wirken – vorausgesetzt, die Kurse bewegen sich in einem breiteren Band auf und ab.

Das meint die Wissenschaft zum CAE

So verlockend die Idee des Cost-Average-Effekts klingt – die akademische Forschung hat erhebliche Zweifel an seinem Mehrwert angemeldet. Eine Reihe renommierter Untersuchungen kommt zu dem Ergebnis, dass die Einmalanlage dem Sparplan in der Mehrzahl der Szenarien überlegen ist. Dies trifft u.a. auf eine viel beachtete Studie der Technischen Universität Chemnitz zu, die von den Autoren Hofmann, Richter, Thiessen und Wunderlich verfasst wurde. Deren Fazit lautet: Wenn die erwartete Rendite des Wertpapiers – wie es für Aktien langfristig gilt – über dem risikolosen Zinssatz liegt, dann erzielt die Einmalanlage im Erwartungswert des Endvermögens stets höhere Ergebnisse als der Sparplan. Das heisst: Wer eine grössere Summe zur Verfügung hat, fährt statistisch am besten damit, sie sofort vollständig zu investieren.

Der Grund liegt in den sogenannten Opportunitätskosten: Kapital, das noch nicht in ein renditestärkeres Wertpapier investiert ist, arbeitet zwischenzeitlich nur zum risikolosen Zinssatz. Bei einem Sparplan liegt ein erheblicher Teil des verfügbaren Kapitals in der Anfangsphase noch unverzinst oder gering verzinst – wertvolle Zeit am Markt geht verloren.

Was die Forschung aber auch zeigt: Der Sparplan ist dem Einmalinvestment beim Risiko oft überlegen. Volatilitäten und Verlustrisiken sind bei Sparplänen in der Regel geringer ausgeprägt als bei der Einmalanlage. Wer also bereit ist, auf Renditeerwartung zu verzichten, um das Risiko zu senken, handelt mit einem Sparplan rational. Deshalb sollte der Cost-Average-Effekt nicht als Instrument zur Erzielung hoher Renditen, sondern als Mittel zur Risikoreduktion und zum Vermögensaufbau interpretiert werden. Dies setzt allerdings die Bereitschaft für einen Ertragsverzicht voraus.

Für wen ist der Sparplan trotzdem die bessere Wahl?

Trotz der wissenschaftlichen Relativierung des Cost-Average-Effekts bleibt der Sparplan für viele Anlegergruppen die sinnvollste oder sogar einzig realistische Form des langfristigen Vermögensaufbaus. Es wäre falsch, aus der akademischen Kritik den Schluss zu ziehen, Sparpläne seien generell abzulehnen.

Die wichtigste Gruppe, für die ein Sparplan klar die erste Wahl ist, sind Menschen ohne vorhandene Kapitalreserven. Wer nur aus laufendem Einkommen sparen kann, hat schlicht keine Alternative zur regelmässigen Geldanlage. Ein Sparplan ist hier nicht Strategie, sondern Notwendigkeit – und eine sehr gute dazu. Er ermöglicht es, auch mit bescheidenen monatlichen Beträgen langfristig ein substanzielles Vermögen aufzubauen und an der Marktrendite zu partizipieren.

Eine zweite wichtige Gruppe sind Anleger, die Schwierigkeiten haben, die nötige Investitionsdisziplin aufzubringen. Die Verhaltenswissenschaft zeigt eindrücklich, dass Menschen dazu neigen, Markteinbrüche zu überschätzen, zu spät einzusteigen und in Panikphasen zu verkaufen. Ein automatischer Sparplan entfernt diese emotionalen Störfaktoren aus dem Investitionsprozess. Das Geld fliesst mechanisch, unabhängig davon, ob die Schlagzeilen Krisenstimmung verbreiten oder Euphorie. Diese erzwungene Kontinuität hat einen realen Wert, der sich schwer in Renditezahlen ausdrücken lässt, aber in der Praxis häufig den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmacht.

Sinnvoll sind Sparpläne auch für Anleger, die eine bestehende Einmalanlage durch regelmässige Nachkäufe ergänzen wollen. Wer beispielsweise einen Kernbestand an physischem Gold, ETFs oder anderen Wertpapieren hält und diesen systematisch aufstocken möchte, nutzt den Sparplan als Ergänzung – nicht als Ersatz. Das Einmalinvestment sichert die frühe Marktteilhabe und die volle Partizipation an einer langfristigen Aufwärtsbewegung. Der Sparplan zielt darauf ab, weiteres Vermögen zu bilden.

Goldsparpläne als Vermögensschutz begreifen

Gerade im Bereich Edelmetalle – insbesondere Gold – ergibt die Sparplanlogik besonders viel Sinn. Wer bspw. nach der Rally der vergangenen Jahre regelmässig Gold kauft, stockt sein Goldvermögen sukzessive auf, ohne von einem einzelnen, möglicherweise ungünstigen Einstiegspunkt abhängig zu sein.

Mit dem Sparplan von pro aurum Tresorgold lässt sich der Cost-Average-Effekt gezielt auf physisches Gold in Form von Münzen oder Barren anwenden. Dadurch wird der Einstiegskurs geglättet, da bei niedrigen Preisen automatisch mehr und bei hohen Preisen weniger Gold gekauft wird. Statt eine grosse Summe auf einmal zu investieren, erwerben Anleger regelmässig sogenanntes Bruchanteilsgold. Sobald das Sparziel erreicht wird, kauft pro aurum im Auftrag des Kunden das gewünschte Goldprodukt – und der Sparvorgang beginnt erneut.

Hinzu kommt eine hohe Flexibilität. Sparraten (mind. 25 Euro) können jederzeit angepasst, pausiert oder durch Einmalzahlungen ergänzt werden. Abgerundet wird das Konzept durch die sichere Verwahrung: Das erworbene Gold lagert in Hochsicherheitstresoren und ist vollständig versichert – eine komfortable Alternative zur Lagerung zu Hause. Denn eines sollte man dabei stets im Hinterkopf behalten: Wer Gold hat, hat immer Geld.

Bildnachweis: Fancy/Veer/Corbis
Bildnummer: 97558026
Bildquelle: GettyImages.de


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