Immobilien zählen weltweit zu den beliebtesten Anlageklassen. Sie bieten Inflationsschutz, laufende Mieteinnahmen und langfristiges Wertsteigerungspotenzial – und das in einer bemerkenswerten Vielfalt an Investitionsformen.

Warum in Immobilien investieren?

Immobilien gehören zu den ältesten Anlageklassen der Welt. Als Sachwerte unterscheiden sie sich grundlegend von Aktien oder Anleihen: Während Letztere lediglich Eigentumsanteile oder Forderungen verbriefen, steht hinter jeder Immobilie ein physisches, dauerhaftes Wirtschaftsgut – Grund und Boden sowie die darauf errichteten Gebäude. Der Markt ist dabei weit vielfältiger, als es der Begriff auf den ersten Blick vermuten lässt. Er umfasst Wohnimmobilien (Einzel- und Mehrfamilienhäuser, Eigentumswohnungen), Gewerbeimmobilien (Bürogebäude, Einzelhandelsflächen, Einkaufszentren), Logistik- und Industrieobjekte, Hotelimmobilien sowie Spezialimmobilien wie Pflegeheime, Parkhäuser, Datenzentren oder Bildungseinrichtungen. Letzteren ist gemein, dass sie oft von langfristigen Mietverträgen und geringer Korrelation zu klassischen Immobilienmärkten profitieren. Allen Kategorien gemeinsam sind Standortgebundenheit, eingeschränkte Fungibilität (Austauschbarkeit) und ein langfristiger Inflationsschutz durch den Sachwertcharakter.

Immobilien haben Vor- und Nachteile

Vorteile: Immobilien bieten Inflationsschutz bei indexierten Mietverträgen, regelmässige Mieteinnahmen als stabilen Cashflow, Wertsteigerungspotenzial in guten Lagen sowie die Möglichkeit, die Eigenkapitalrendite durch Fremdfinanzierung (Leverage) zu hebeln. Steuerlich profitieren Vermieter von Abschreibungen (AfA), abzugsfähigen Zinsen und Werbungskosten. Wer die eigene Immobilie im Rentenalter mietfrei nutzt, spart monatliche Mietzahlungen und schliesst damit effektiv einen Teil der Rentenlücke. Das ist ein oft unterschätzter, handfester finanzieller Vorteil.

Nachteile: Direkte Immobilien sind illiquide und nur mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand veräusserbar. Der Einstieg erfordert hohes Eigenkapital zuzüglich Kaufnebenkosten von 8 bis 12 Prozent. Verwaltungsaufwand, Instandhaltungspflichten und das Risiko von Mietausfällen oder Leerstand können die Rendite empfindlich schmälern. Steigende Zinsen verteuern Anschlussfinanzierungen, belasten deren Attraktivität bzw. Preise, wie diverse Immobilienblasen der Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt haben. Dazu kommt das Klumpenrisiko: Wer nur ein Objekt besitzt, hängt vollständig von der Entwicklung eines einzigen Gebäudes bzw. Standorts ab.

Investitionsmöglichkeiten im Überblick

Direktinvestment: Maximale Kontrolle und volle Partizipation an Wertzuwächsen. Erfordert hohes Eigenkapital und aktives Management.

Offene Immobilienfonds: Breite Streuung in gewerbliche Liegenschaften, professionell verwaltet. Gesetzliche Mindesthaltefrist 24 Monate, Rückgabefrist 12 Monate beachten.

Geschlossene Immobilienfonds: Beteiligung an konkreten Objekten mit unternehmerischem Risiko. Kapitalbindung über 10 bis 20 Jahre, hohe Einstiegshürde, nur für erfahrene Anleger geeignet.

REITs (Real Estate Investment Trusts): Börsennotierte Immobiliengesellschaften mit Pflichtausschüttung. Hohe Liquidität, regelmässige Dividenden, aber kurzfristig stärkere Korrelation zum Aktienmarkt.

Immobilien-ETFs: Günstigste und einfachste Option für Privatanleger. Bilden Indizes globaler REITs oder börsennotierter Immobilienunternehmen oder entsprechende Indizes ab, börsenhandelbar bei relativ niedrigen Gebühren (Total Expense Ratio von 0,1 bis 0,6 Prozent p.a.)

Crowdinvesting: Einstieg ab kleinen Beträgen möglich. Attraktive Renditeversprechen (5 bis 8 Prozent p.a.), aber erhebliches Ausfallrisiko. Allenfalls als Beimischung geeignet.

Tipps zur Diversifikation

Konzentriertes Immobilienvermögen ist eines der häufigsten Anlegerrisiken. Wer ausschliesslich in einer Stadt oder Nutzungsart investiert, ist stark von lokalen Konjunkturzyklen abhängig. Empfehlenswert ist die Streuung nach vier Dimensionen: Erstens geografisch – verschiedene Wirtschaftsräume und Länder durchlaufen unterschiedliche Marktphasen, sodass sich Verluste in einer Region durch Gewinne in einer anderen abfedern lassen. Zweitens nach Nutzungsart: Wohnimmobilien gelten als konjunkturresistenter, während Gewerbe- und Logistikimmobilien in Boomphasen attraktivere Renditen bieten. Drittens nach Mieterstruktur – mehrere Mieter reduzieren den Einfluss eines einzelnen Mietausfalls. Viertens nach Investitionsvehikel: Wer Direktimmobilien mit REITs und Fonds kombiniert, profitiert gleichzeitig von Stabilität, laufenden Erträgen und Liquidität. Regelmässige Sparpläne in Immobilien-ETFs nutzen zudem den Cost-Average-Effekt und reduzieren das Timing-Risiko.

Tipps zur Liquidität

Illiquidität ist die Achillesferse direkter Immobilienanlagen und ein Risiko, das viele Anleger unterschätzen. Im Gegensatz zu Aktien oder ETFs lässt sich eine Immobilie nicht innerhalb von Minuten zu einem fairen Preis veräussern. Verkaufsprozesse dauern oft Monate, und in Schwäche-Phasen können selbst attraktive Objekte lange auf Käufer warten. Anleger sollten daher auf mehrere Punkte achten: Erstens ist ein Liquiditätspuffer von 3 bis 6 Monatsmieteinnahmen als Reserve für Instandhaltung, Leerstand und unerwartete Ausgaben unabdingbar. Zweitens sollte nicht zu viel Gesamtvermögen in illiquiden Direktanlagen gebunden sein. Börsliche Vehikel wie REITs und ETFs bieten tägliche Liquidität und können als flexibles Gegengewicht dienen. Drittens sind die gesetzlichen Fristen offener Immobilienfonds (24 Monate Haltefrist, 12 Monate Rückgabefrist) fest einzuplanen. Viertens sollten Fremdfinanzierungen mit ausreichend langen Zinsbindungen strukturiert werden, um Refinanzierungsrisiken bei steigenden Zinsen zu minimieren.

Gebühren und laufende Kosten im Vergleich

Kosten sind bei Immobilienkäufen ein oft unterschätzter Renditehebel. Die wichtigsten Kostenblöcke im Überblick:

Direktkauf: Kaufnebenkosten 8 bis 12 Prozent (Grunderwerbsteuer 3,5 bis 6,5 Prozent, Notar 1 bis 1,5 Prozent, Makler meist bis 3,57 Prozent) sowie laufende Kosten wie z.B. Instandhaltung, Verwaltung, Versicherungen, usw.

Offene Immobilienfonds: Ausgabeaufschlag häufig 3 bis 5 Prozent, laufende Verwaltungsgebühr (TER) in der Regel zwischen 0,8 und 1,5 Prozent p.a.

Geschlossene Fonds: Gesamtkosten von bis zu 20 Prozent des investierten Kapitals möglich (Vertrieb, Verwaltung, Treuhhand, Exit).

REITs: Nur Transaktionskosten des Brokers. Interne Verwaltungskosten sind in der Rendite eingepreist.

Immobilien-ETFs: TER zwischen 0,1 und 0,6 Prozent p.a. – kostengünstige Option für Privatanleger.

Klumpenrisiko vermeiden und international investieren

Wer sein Vermögen auf eine Immobilie in einer Stadt konzentriert, setzt alles auf eine Karte. Demografischer Wandel, strukturelle Umbrüche (z.B. der Rückgang des Einzelhandels durch E-Commerce) oder politische Eingriffe wie Mietpreisbremsen können einzelne Standorte empfindlich treffen. Internationale Diversifikation schützt vor diesen Risiken und eröffnet gleichzeitig Wachstumschancen: Verschiedene Wirtschaftsräume durchlaufen unterschiedliche Immobilienzyklen. Mit einem globalen Immobilien-ETF (z.B. auf den FTSE EPRA/NAREIT Global) investieren Anleger in Hunderte von Immobilienunternehmen aus über 20 Ländern – ohne Sprachbarrieren, Rechtsrisiken oder hohe Mindestbeträge. Zu beachten sind Währungsrisiken, die sich langfristig oft ausgleichen, kurzfristig aber die Rendite beeinflussen können.

Steuern und Nachhaltigkeit

Steuer: Mieteinnahmen unterliegen der Einkommensteuer, jedoch können zahlreiche Kosten steuerlich geltend gemacht werden: Zinsen auf Fremdkapital, die lineare Abschreibung (AfA) von 2 Prozent p.a. auf den Gebäudewert (bei Neubauten ab 2023 sogar 3 % p.a.), Instandhaltungsaufwendungen und weitere Werbungskosten. Wertzuwächse bleiben nach 10 Jahren Haltedauer steuerfrei – ein starkes Argument für Langfristigkeit und gegen voreiligen Verkauf. Bei REITs und ETFs gilt die Abgeltungssteuer (25 Prozent zzgl. Soli bzw. Kirchensteuer). Offene Fonds profitieren von einer Teilfreistellung nach dem Investmentsteuergesetz (InvStG), was sie steuerlich attraktiv macht.

Nachhaltigkeit und ESG: Der Gebäudesektor trägt erheblich zu den globalen CO2-Emissionen bei. Regulatorischer Druck durch die EU-Taxonomie, steigende Energiekosten und veränderte Mieteranforderungen machen die energetische Qualität von Immobilien zunehmend zum Werttreiber. Schlecht sanierte Objekte mit niedrigem Energieausweis drohen mittelfristig zu sogenannten Stranded Assets zu werden – also Anlagen, die an Wert und Vermietbarkeit verlieren, weil sie den künftigen energetischen Standards nicht mehr genügen. Anleger sollten Energieausweise kritisch prüfen, Sanierungsbedarf in die Renditekalkulation einpreisen und bei Fonds auf ESG-Kriterien sowie die Klassifizierung nach EU-Offenlegungsverordnung achten.

Immobilien sind eine vielseitige und bewährte Anlageklasse – vorausgesetzt, sie werden mit Bedacht eingesetzt. Wer ausschliesslich auf Direktimmobilien setzt, nimmt Illiquidität, hohen Kapitalbedarf und Klumpenrisiken in Kauf. Wer dagegen die gesamte Bandbreite nutzt – von offenen Fonds über REITs bis hin zu globalen ETFs – kann stabile Cashflows, Inflationsschutz und internationale Streuung miteinander verbinden. Entscheidend ist, die eigene Situation ehrlich zu bewerten: Wer später mietfrei wohnen möchte, sollte frühzeitig in die selbstgenutzte Immobilie investieren.

Wer Kapital anlegen, aber keinen Verwaltungsaufwand stemmen möchte, findet in REITs und ETFs kosteneffiziente und liquide Alternativen. Und wer bereits Direktimmobilien hält, sollte regelmässig prüfen, ob das Portfolio ausreichend gestreut und die Finanzierungsstruktur noch tragfähig ist. Die Kombination verschiedener Immobilienvehikel ist dabei kein Luxus, sondern eine kluge Antwort auf die Komplexität dieser Anlageklasse.

Immobilien gehören ins Portfolio – aber mit Verstand, Geduld und einem klaren Blick auf Kosten, Liquidität und Risiken.

Bildnachweis: peterschreiber.media
Bildnummer: 1283138008
Bildquelle: iStockphoto.com


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