Im Mai zeigte sich der Goldpreis den dritten Monat in Folge mit schwächeren Notierungen. Nach den besonders wilden Kursausschlägen der ersten drei Monate wechselte die Krisenwährung mittlerweile in den Seitwärtsmodus.

Inflation bereitet weiterhin Sorgen

In den USA lag die jährliche Teuerungsrate im April bei 3,8 Prozent, in der Eurozone bei 3,0 Prozent und in Deutschland bei 2,9 Prozent. Damit fiel die Inflation höher als erwartet aus. Übertroffen wurde damit auch der Zielwert von rund zwei Prozent, den sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank anstreben. Besonders problematisch: Selbst im Falle einer Wiederöffnung der Strasse von Hormus dürfte die Inflation nach Ansicht vieler Analysten nur langsam zurückgehen, schliesslich gilt die Infrastruktur im Nahen Osten alles andere als stabil und die globalen Lieferketten als relativ fragil. Neue geopolitische Spannungen oder Störungen im Welthandel könnten daher jederzeit für neue Preisschübe sorgen.

Hinzu kommt, dass auch die Inflationserwartungen der US-Verbraucher keine Entspannungssignale liefern. Laut Umfrage der Uni Michigan rechnen diese innerhalb eines Jahres mit einem Anstieg der Inflation auf 4,8 Prozent. Robert Hartmann, Edelmetallprofi und Mitgründer von pro aurum rechnet bereits seit Längerem mit einem Inflationsschub und sagt: „Ich gehe davon aus, dass die Inflationsraten deutlich höher ausfallen werden als die Schätzungen der Analysten es voraussagen. Und dabei bleibe ich auch. Selbst im Falle eines Endes des Iran-Krieges kann ich mir Inflationsraten jenseits der fünf Prozent gut vorstellen.“

Happy Birthday „In Gold We Trust“

Im Mai erschien die 20. Ausgabe des „In Gold We Trust-Report“ (IGWT). Redaktionell verantwortlich sind Ronald-Peter Stöferle und Mark J. Valek von der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum AG. Die erste Ausgabe erschien im Mai 2007 mit 22 Seiten – die aktuelle Jubiläumsausgabe umfasst über 450 Seiten mit mehr als 330 Charts. In 20 Jahren wurden insgesamt über 5.000 Seiten veröffentlicht, mehr als 60 Fachleute wirkten mit, und mittlerweile erscheint der Report in fünf Sprachen. Die Verfügbarkeit bleibt dank der Unterstützung von Branchenpartnern kostenlos – der vollständige Report ist kostenlos abrufbar unter ingoldwetrust.report.

Das Leitmotiv der diesjährigen Ausgabe lautet „Back to the Monetary Future“: Stöferle und Valek sehen in der Rückkehr zu Gold eine zwangsläufige Konsequenz aus zwei Jahrzehnten Schuldenexpansion, Vertrauensverlust in Zentralbanken und fortschreitender Entdollarisierung.

Die Zahlen geben den Autoren recht: Das 2020 formulierte Dekaden-Kursziel von 4.800 Dollar wurde vorzeitig erreicht. Gold erzielte 2025 mit einem Plus von 65 Prozent den stärksten Jahreszuwachs seit 1979. Seit 2000 liegt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate bei rund elf Prozent auf Dollar-Basis – und stellt damit nahezu jede andere Anlageklasse in den Schatten.

Für die kommenden Jahre bleiben die Autoren bullish: Strukturell hohe Staatsverschuldung, Dollar-Schwäche und steigende Zentralbanknachfrage sprechen ihrer Ansicht nach weiter für Gold. Neben dem Edelmetall stehen in der Analyse aber auch Silber, Goldminenaktien und Bitcoin im Fokus – drei Anlageklassen, die laut Stöferle und Valek vom selben makroökonomischen Rückenwind profitieren.

Was für eine Unterbewertung von Gold spricht

Edelmetallprofi Hartmann möchte Ronald-Peter Stöferle und seinem Team zu dieser Jubiläumsausgabe gratulieren und sagt: „Meines Erachtens ist der ‚In Gold We Trust Report‘ die weltweit führende Analyse des Goldmarkts. Angesichts der historisch hohen Preise brauchen Menschen wie ich, die Jahrzehnte lang Gold gehandelt haben, andere Messinstrumente als den Euro, um zu verstehen, wie weit der Goldpreis eigentlich noch steigen kann bzw. muss.“

Und diese liefert der IGWT in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Von den 330 veröffentlichten Grafiken fand der erfahrene Edelmetallexperte z.B. den Chart auf Seite 64 besonders aufschlussreich. Dieser zeigt nämlich auf, wie viel von den US-Staatsschulden durch die amerikanischen Goldreserven gedeckt sind. Anfang der 1940er-Jahre – kurz vor dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg – deckten die Goldreserven noch 51 Prozent der Staatsschulden ab. Ende 2025 waren es gerade noch 3 Prozent, und dieser Wert schwankt seit Mitte der 1990er-Jahre kaum.

Was bedeutet das für den Goldpreis? Würde die Golddeckung wieder das Niveau von 1940 erreichen, müsste eine Unze Gold rund 75.000 Dollar kosten. Selbst eine Rückkehr auf das Zwischenhoch von 18 Prozent aus dem Jahr 1980 würde eine Verfünffachung des aktuellen Goldpreises auf über 30.000 Dollar bedeuten. Diese Zahlen sind natürlich keine Preisprognosen, sondern zeigen, wie stark das Verhältnis zwischen Goldreserven und Staatsverschuldung aus historischer Sicht aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Als hochinteressanten Indikator stuft er auch das Dow-Jones/Gold-Ratio ein, welches 1980 ein Tief von 1,33 markierte. Eine Rückkehr in diesen Bereich würde auf Basis der aktuellen Marktlage (Dow-Jones bei 50.644 Punkte) einen Goldpreis von über 38.000 Dollar implizieren. Laut IGWT deutet dies darauf hin, dass Gold im Vergleich zu US-Aktien nach wie vor attraktiv bewertet ist.

In Indien werden Gold- und Silberkäufe teurer

Indien ist nach China der weltgrösste Abnehmer physischen Goldes und der grösste Silbermarkt der Welt – und greift seit Mitte Mai 2026 massiv in das Marktgeschehen ein. Per Regierungsverordnung hat Neu-Delhi den Importzoll auf Gold und Silber im Mai mit sofortiger Wirkung von sechs auf 15 Prozent mehr als verdoppelt. Zuvor wandte sich Premierminister Narendra Modi in einem ungewöhnlichen öffentlichen Appell an die Bevölkerung und rief dazu auf, für ein Jahr auf Goldkäufe zu verzichten.

Einen Tag nach der Zollerhöhung folgte ein weiterer Eingriff: Silberimporte sind seither in fast allen Formen genehmigungspflichtig. Betroffen sind vor allem hochreine Silberbarren und Halbfabrikate, die im abgelaufenen Fiskaljahr über 90 Prozent der indischen Silbereinfuhren ausmachten. Für Importe ist nun eine staatliche Lizenz erforderlich.

Und dies sind die Gründe: Indiens Goldimporte stiegen im laufenden Fiskaljahr um 29 Prozent auf knapp 69 Milliarden Dollar, die Silberimporte legten auf einen Rekordwert von zwölf Milliarden Dollar zu. Das Handelsdefizit schwoll auf über 330 Milliarden Dollar an. Hinzu kommt der durch den US-Iran-Konflikt angeheizte Ölpreis, der die Rupie zusätzlich unter Druck setzt und die Devisenreserven schrumpfen liess.

Für Anleger ist jedoch entscheidend: Der World Gold Council erwartet durch die Zollmaßnahme einen Nachfragerückgang in Indien von 50 bis 60 Tonnen – rund zehn Prozent des indischen Marktvolumens. Branchenvertreter warnen jedoch, dass höhere Zölle vor allem den Schmuggel anheizen könnten, wie die Geschichte gezeigt hat. Frühere Zollerhöhungen haben die strukturell hohe Goldnachfrage in Indien kaum nachhaltig gedämpft.

Für Hartmann grenzen solche Massnahmen fast schon an Panik. Er sagt: „Sicherlich haben solche Dinge das Potenzial, die Korrektur am Goldmarkt zu verlängern, schliesslich sind die Inder mit die grössten Goldkäufer der Welt. Langfristig wird das aber nichts an steigenden Preisen für Gold und Silber ändern. Wenn die Menschen in Angst geraten, dass die jeweilige Papierwährung in der Zukunft schneller abwertet, so bleibt ihnen eigentlich nur der Kauf von physischem Gold und Silber, um sich davor effektiv zu schützen.“ Auf Sicht von vier Wochen kann sich Robert Hartman vorstellen, dass der Goldpreis unter grossen Schwankungen seitwärts tendiert. Angesichts der stark gestiegenen Kurse in den vergangenen zwölf Monaten wäre eine länger anhaltende Korrektur langfristig sicherlich gesund.

Dass Gold an Ansehen erneut gewonnen hat, belegt auch die diesjährige von pro aurum beauftragte forsa-Umfrage zum Thema langfristige Geldanlagen. In der repräsentativen Umfrage wurde Gold als Geldanlage mit den besten Gewinnperspektiven eingestuft: 30 Prozent der Befragten trauen der Krisenwährung auf Sicht von mindestens drei Jahren den höchsten Gewinn zu. Aktien kommen lediglich auf 26 Prozent. Weitere Ergebnisse der Umfrage können Sie hier abrufen.

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

Im Mai haben sich an der von pro aurum im Internet durchgeführten Edelmetall-Stimmungsumfrage 290 Personen (April: 326) beteiligt. Trotz gestiegener Opportunitätskosten (-> Zinsverzicht) hat sich die Kaufbereitschaft der Investoren gegenüber dem Vormonat von 40,4 auf 43,3 Prozent erneut verstärkt. Kaum verändert hat sich indes der Anteil der abwartenden Geldanleger. Deren Quote hat sich von 44,0 auf 44,3 Prozent marginal erhöht. Signifikant nachgelassen hat hingegen die Verkaufsbereitschaft. Hier stellte sich gegenüber dem Vormonat ein Rückgang von 15,6 auf 12,4 Prozent ein.

Beim Blick auf die aktuelle Bewertung der Edelmetallpreise fiel im Mai folgendes auf. Die Einschätzung, dass Edelmetalle derzeit unterbewertet sind, hat sich von 30,3 auf 26,8 Prozent abgeschwächt. Mehr als die Hälfte der Befragten stuft die aktuellen Edelmetallpreise mittlerweile als fair bewertet ein. Gegenüber dem Vormonat war hier ein Anstieg von 45,9 auf 52,6 Prozent registriert worden. Mit der Ansicht, dass die Edelmetallpreise gegenwärtig überbewertet sind, ging es im Mai erneut bergab. Dies schlug sich in einem Rückgang der Quote von 23,8 auf 20,6 Prozent nieder.

Befragt nach der künftigen Preisentwicklung der Edelmetalle in den kommenden drei Monaten gab es im Mai eine massive Stimmungsveränderung zu beobachten. Mittlerweile erwarten“lediglich“ 41,7 Prozent der Umfrageteilnehmer steigende Edelmetallpreise (Vormonat: 50,9 Prozent). Die Erwartung seitwärts tendierender Edelmetallpreise blieb nahezu unverändert. Im Mai hat sich deren Anteil von 37,1 auf 37,5 Prozent leicht erhöht. Deutlich verstärkt hat sich unter den Befragten indes der Pessimismus. Nach 12,0 Prozent im April gab es hier einen kräftigen Zuwachs auf 20,8 Prozent zu vermelden.

Bildquelle: Lemon_tm
Bildnummer: 1805316424
Bildquelle: ispockphoto.com


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