Die Inflationsrate in Deutschland hat sich im Mai überraschend moderat entwickelt. Während die Teuerung in der Eurozone zuletzt wieder an Dynamik gewann, fiel der deutsche Verbraucherpreisindex deutlich niedriger aus.

Für Verbraucher klingt das zunächst erfreulich. Ein genauerer Blick zeigt jedoch, dass die Entspannung vor allem auf einen temporären Sondereffekt zurückzuführen ist. Die grundlegenden Risiken für die Preisentwicklung bleiben bestehen – und könnten sich sogar weiter verschärfen. Im Mai lag die Inflationsrate in Deutschland (2,6 Prozent p.a.) signifikant unter dem Niveau der Eurozone (3,2 Prozent p.a.). Damit entwickelte sich die Bundesrepublik gegen den europäischen Trend. Ausschlaggebend war vor allem der von der Bundesregierung beschlossene Tankrabatt, der die Preise für Benzin und Diesel spürbar reduzierte und dadurch die Gesamtinflation gebremst hat.

Während deutsche Verbraucher von günstigeren Kraftstoffpreisen profitierten, blieb der Preisdruck in vielen anderen Euroländern deutlich höher. Die Entlastung dürfte allerdings nur begrenzte Aussagekraft besitzen. Schliesslich handelt es sich nicht um einen nachhaltigen Rückgang der Inflation, sondern um einen politisch verursachten Preiseffekt, der aller Voraussicht nach Ende Juni wieder entfällt.

Noch deutlicher wird das Bild beim Blick auf die Vereinigten Staaten. Dort entsprach die jährliche Teuerungsrate für den Monat Mai mit 4,2 Prozent (3,8 Prozent) den Erwartungen der Analysten. Verantwortlich hierfür waren auch dort die höheren Energiepreise, steigende Importkosten sowie die Folgen geopolitischer Spannungen. Der weltweite Inflationsschub zeigt, dass der Kampf gegen die Inflation noch längst nicht gewonnen ist.

Energie bleibt der grösste Unsicherheitsfaktor

Besonders aufmerksam verfolgen die Finanzmärkte derzeit die Lage im Nahen Osten. Vor allem die Strasse von Hormus bleibt weiterhin ein kritischer Faktor. Eine vollständige und dauerhaft gesicherte Öffnung des Seewegs lässt weiterhin auf sich warten.

Für die Inflation ist dies von grosser Bedeutung. Bereits kleinere Störungen im Ölhandel können erhebliche Auswirkungen auf die Energiepreise haben. Steigende Ölpreise verteuern nicht nur Kraftstoffe, sondern erhöhen auch Produktions-, Transport- und Logistikkosten. Diese Mehrkosten werden häufig an Verbraucher weitergegeben.

Selbst wenn die deutsche Inflationsrate kurzfristig durch den Tankrabatt gedrückt wurde, spricht daher vieles dafür, dass die Energiepreise auch künftig zu den wichtigsten Inflationstreibern zählen werden. Mittel- bis langfristig dürfte die Strasse von Hormus ein permanenter Risikofaktor für die Weltwirtschaft bleiben. Robert Hartmann, Edelmetallprofi und Mitgründer von pro aurum rechnet bereits seit Längerem mit einem Inflationsschub und sagt: „Ich gehe davon aus, dass die Inflationsraten deutlich höher ausfallen werden als die Schätzungen der Analysten es voraussagen. Selbst im Falle eines Endes des Iran-Krieges kann ich mir Inflationsraten jenseits der fünf Prozent gut vorstellen.“

Warum der Inflationsschutz Gold derzeit enttäuscht

Interessanterweise profitiert Gold aktuell kaum von den enormen Inflationsrisiken. Stattdessen steht das Edelmetall unter Druck. Der Grund liegt in einer veränderten Wahrnehmung der Anleger. Während Inflationssorgen zuletzt etwas in den Hintergrund gerückt sind, rücken Zinssorgen stärker in den Fokus. Hohe Inflationsraten erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Notenbanken ihre Geldpolitik länger restriktiv halten. An den Finanzmärkten wird bei der Juni-Sitzung der EZB mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte gerechnet und in den USA drohen zum Jahresende ebenfalls höhere Leitzinsen. Steigende Zinsen wiederum verbessern die Attraktivität von Anleihen und Geldmarktanlagen, da diese laufende Erträge bieten. Genau deshalb hat der Goldpreis zuletzt an Dynamik verloren. Viele Investoren bevorzugen derzeit festverzinsliche Wertpapiere gegenüber einem Edelmetall, das keine laufenden Zinsen abwirft.

Ob dieser Tausch langfristig sinnvoll ist, bleibt allerdings fraglich – insbesondere, wenn die Inflation höher als die Renditen ausfallen sollten. Ausserdem stellen die weltweit steigenden Schuldenberge die Tragfähigkeit vieler Staatshaushalte zunehmend infrage. In zahlreichen Industrieländern erreichen die Haushaltsdefizite historische Höchststände. Gleichzeitig nimmt seit vielen Jahren die Verschuldung schneller zu als die Wirtschaftsleistung.

Für Anleihebesitzer bedeutet dies ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Zwar gelten die Staatsanleihen vieler Länder weiterhin als sicher, doch ihre Werthaltigkeit hängt letztlich von der Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit der jeweiligen Emittenten ab. Gold besitzt dagegen kein Kontrahentenrisiko. Sein Wert hängt weder von einer Regierung noch von einer Zentralbank oder einem Schuldner ab.

IGWT 2026 sieht Inflationsgefahren keineswegs gebannt

Auch die Autoren Ronald-Peter Stöferle und Mark J. Valek warnen in ihrem aktuellen „In Gold We Trust Report 2026“ davor, die Inflationsgefahr bereits als überwunden zu betrachten. Nach ihrer Einschätzung könnten geopolitische Spannungen, steigende Staatsausgaben und strukturelle Veränderungen im globalen Handel zu einer neuen Inflationswelle führen. Der Report verweist insbesondere auf die Gefahr zunehmender Inflationsvolatilität und sieht darin einen der zentralen Treiber des langfristigen Goldbullenmarktes.

Die Autoren argumentieren zudem, dass sich die weltweite Verschuldung in vielen Staaten weiter verschlechtert und das Vertrauen in klassische Papierwährungen langfristig unter Druck geraten könnte. Der diesjährige Report steht unter dem Leitmotiv „Back to the Monetary Future“ und vertritt die These, dass Gold im internationalen Finanzsystem künftig wieder eine bedeutendere Rolle spielen könnte.

Hohe Zinsen bedeuten nicht automatisch Sicherheit

Die aktuelle Entspannung bei der deutschen Inflation sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass zahlreiche Risiken weiterhin bestehen. Der Tankrabatt hat die Teuerungsrate kurzfristig gedrückt, die strukturellen Inflationstreiber sind jedoch keineswegs verschwunden. Vor allem die Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten bleiben wichtige Einflussfaktoren.

Vor diesem Hintergrund bleibt Gold für viele Anleger ein wichtiger Bestandteil der Vermögenssicherung. Das Edelmetall trägt kein Kontrahentenrisiko, ist weltweit handelbar und hat sich über Jahrhunderte als Krisen- und Reservewährung bewährt. Wer langfristig denkt, könnte somit zu dem Schluss kommen, dass Gold als Wertspeicher weiterhin überzeugendere Eigenschaften besitzt als Geldforderungen gegenüber hoch verschuldeten Staaten.

Bildnachweis: Amilia
Bildnummer: 91525314309
Bildquelle: AdobeStock.com


Immer aktuell informiert: Folgen Sie pro aurum

So verpassen Sie nichts mehr! Informationen und Chartanalysen, Gold– und Silber-News, Marktberichte, sowie unsere Rabattaktionen und Veranstaltungen.
Facebook | Instagram | LinkedIn | Twitter

Der pro aurum-Shop

Die ganze Welt der Edelmetalle finden Sie in unserem Shop: proaurum.ch