Wer in Gold investiert, kauft das Ergebnis eines jahrzehntelangen Prozesses. Zwischen erster Entdeckung und fertigem Barren liegen oft zehn bis 20 Jahre – ein zentraler Grund, warum das Angebot nicht schnell wächst.

Exploration: Jahrelange Suche

Alles beginnt mit der geologischen Frage: Wo liegt das Gold? Satellitenmessungen, Bodenproben und geophysikalische Analysen helfen, vielversprechende Goldvorkommen zu lokalisieren. Danach folgen kostspielige Kernbohrungen, die Goldgehalt und Ausdehnung des Erzkörpers verraten – Grundlage für ein dreidimensionales Lagerstättenmodell.

Die Erfolgsquote ist jedoch ernüchternd: Nur ein winziger Bruchteil aller erkundeten Flächen wird je zur Mine. Für Anleger bedeutet das: Neue Minenkapazitäten bleiben dauerhaft knapp und erweisen sich dadurch als eine strukturelle Stütze für den Goldpreis.

Abbau: Tage- oder Untertagebau

Nach dem Erstellen einer Machbarkeitsstudie und der Genehmigung durch die zuständigen Behörden dauert der Minenaufbau weitere ein bis fünf Jahre. Die Produktionsphase selbst läuft dann zehn bis maximal 30 Jahre.

Vorkommen mit relativ geringer Goldkonzentration werden im Tagebau erschlossen: Abraum wird gesprengt, autonome Muldenkipper und computergestützte Systeme prägen moderne Goldminen. In vielen Schwellen- und Entwicklungsländern werden ESG-(Environmental, Social, Governance)-Standards allerdings noch nicht konsequent eingehalten. Tiefere, hochgradigere Lagerstätten erfordern Untertagebau. Diese Methode ist zwar teurer, aber präziser und flächenschonender.

Wichtig für Anleger: Der Goldpreis bestimmt mit, welches Erz überhaupt wirtschaftlich abbaubar ist. Steigt er, lohnen sich auch Minen mit geringerer Goldkonzentration. Sinkt er, konzentriert sich der Betrieb auf die goldreichsten Zonen. Daneben beeinflussen Kosten, Technik, Geologie und Regulierung die Wirtschaftlichkeitsrechnung einer Goldmine.

Verarbeitung: Chemie im grossen Massstab

Das geförderte Erz enthält Gold meist nur in Spuren – oft wenige Gramm je Tonne Gestein. Ziel der Aufbereitung ist es, dieses verteilte Edelmetall zu konzentrieren. Das Kernverfahren ist die Zyanidlaugung: Fein gemahlenes Erz wird mit Natriumzyanidlösung versetzt, das gelöste Gold an Aktivkohle gebunden und anschliessend elektrochemisch abgeschieden. Bei niedriggradigeren Tagebau-Erzen kommt die Haufenlaugung zum Einsatz, bei der aufgeschüttetes Gestein kontinuierlich mit Laugungslösung berieselt wird.

Sogenannte refraktäre Erze, bei denen Gold fest in Sulfidminerale eingebunden ist, erfordern eine Vorbehandlung – wie etwa Röstung, biologische Oxidation oder Druckoxidation –, bevor die Laugung greifen kann. Das Endprodukt jeder Aufbereitung ist der Doré-Barren, eine Gold-Silber-Legierung mit typischerweise 60 bis 90 Prozent Goldgehalt, die zur Endraffinierung an Scheideanstalten geliefert wird.

Raffination: Der Weg zum 999,9er-Feingold

In der Raffinerie wird aus dem Doré marktfähiges Feingold. Eine Feuerprobe bestimmt zunächst den exakten Goldgehalt. Dann kommen zwei Verfahren zum Einsatz: Der Miller-Prozess bläst Chlorgas in die Schmelze – Verunreinigungen steigen als Schlacke auf, zurück bleibt Gold mit rund 99,5 Prozent Reinheit, ausreichend für den Good-Delivery-Standard der London Bullion Market Association (LBMA). Für höchste Anforderungen sorgt der Wohlwill-Prozess: Elektrolyse scheidet 99,99-prozentiges Feingold ab – das sogenannte Vier-Neuner-Gold, das in Anlagemünzen, Kilobarren und Elektronikan­wendungen genutzt wird.

Wer am Handel der London Bullion Market Association (LBMA) teilnehmen will, muss auf der LBMA-Good-Delivery-Liste stehen und vorab einen anspruchsvollen Zertifizierungsprozess mit strengen Herkunftsnachweisen absolvieren. Bekannte akkreditierte Häuser sind Umicore (Belgien), Heraeus (Deutschland), Valcambi (Schweiz), Rand Refinery (Südafrika) und viele weitere. Für Privatanleger gilt: Nur Barren zertifizierter Raffinerien werden von Händlern und Zentralbanken weltweit akzeptiert.

Der LBMA-Goldpreis: Der Weltpreis für Gold

Den Abschluss der Produktionskette bildet die Preisfindung. Ihren Ursprung hat sie im Londoner Gold Fixing vom 12. September 1919, als fünf Goldhändler erstmals gemeinsam einen verbindlichen Tagespreis festlegten. Seit 2015 wird dieser Mechanismus durch den modernen LBMA-Goldpreis ersetzt, der täglich um 10:30 Uhr und 15:00 Uhr Londoner Zeit in einer elektronischen Auktion akkreditierter Direktteilnehmer ermittelt wird.

Der LBMA-Goldpreis ist der meistgenutzte Referenzwert weltweit: Zentralbanken bewerten ihre Reserven danach, Minen und Raffinerien orientieren ihre Verkäufe daran und Gold-ETFs berechnen ihren täglichen Nettoinventarwert auf seiner Basis. Tatsächliche Kauf- und Verkaufspreise für Barren, Münzen oder Fonds liegen jedoch aufgrund von Spreads und Prämien in der Regel über dem aus dem London Fixing abgeleiteten reinen Materialwert des Goldes.

Bildnachweis: Amilia
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