Edelmetalle faszinieren Anleger seit Jahrhunderten. Gold und Silber galten bereits lange vor der Entstehung moderner Währungen als universelle Wertaufbewahrungs- und Zahlungsmittel. Was Anleger über diese Anlageklasse unbedingt wissen sollten.

Bis heute besitzen Edelmetalle einen besonderen Stellenwert, weil sie knapp, nicht beliebig vermehrbar und weltweit handelbar sind. Gerade in Zeiten hoher Inflation, geopolitischer Spannungen oder wirtschaftlicher Unsicherheit rücken Gold, Silber und andere Edelmetalle regelmässig in den Fokus der Geldanleger.

Doch die Anlageklasse Edelmetalle ist deutlich komplexer, als viele Privatanleger vermuten. Gold spielt an den Finanzmärkten zweifellos die wichtigste Rolle, gefolgt von Silber. Platin und Palladium wird angesichts ihrer geringeren Liquidität und niedrigeren Marktvolumens eher eine Nebenrolle zugestanden. Hinzu kommen Unterschiede zwischen physischen Investments und Papierprodukten, unterschiedlich starke Preisschwankungen (Volatilitäten) sowie der starke Einfluss internationaler Terminmärkte.

Die wichtigsten Edelmetalle im Überblick

Das mit Abstand bekannteste Edelmetall ist Gold. Es gilt weltweit seit Generationen als monetärer Wertspeicher und „sicherer Hafen“. Zentralbanken halten grosse Goldreserven, viele Anleger betrachten das Metall als Absicherung gegen Inflation, Währungsabwertung oder geopolitische Krisen.

Silber nimmt eine Sonderrolle ein. Einerseits besitzt es wie Gold monetäre Eigenschaften, andererseits ist Silber ein wichtiges Industriemetall. Es wird unter anderem in Solaranlagen sowie in der Elektronik, der Elektromobilität und im Medizinbereich eingesetzt. Dadurch reagiert der Silberpreis oft deutlich stärker auf Konjunkturschwankungen.

Platin und Palladium sind dagegen vor allem Industriemetalle. Beide werden insbesondere in der Automobilindustrie für Abgaskatalysatoren verwendet. Entsprechend hängen ihre Preise stark von der globalen Industrieproduktion und der Nachfrage nach Fahrzeugen ab, was auf Palladium in besonders hohem Masse zutrifft.

Gold weist zeitweise zwar starke Kursausschläge auf, zeigt sich aber meist weniger volatil als die Weissmetalle Silber, Platin und Palladium.

Was die Preise von Edelmetallen bewegt

Die Preisentwicklung von Edelmetallen hängt von zahlreichen Faktoren ab. Besonders wichtig sind Inflation, Zinsen und die Entwicklung des Dollars. Da Edelmetalle keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden abwerfen, gelten steigende Zinsen häufig als Belastungsfaktor. Vor allem sogenannte Realzinsen – also Zinsen abzüglich der Inflation – spielen eine wichtige Rolle. Wenn Inflationsraten höher als die Anleiherenditen ausfallen, ist Gold meist besonders stark gefragt.

Auch die Geldpolitik der Zentralbanken beeinflusst die Edelmetallpreise stark. Niedrige Zinsen und expansive Geldpolitik gelten oft als positiv für Gold und Silber, weil dadurch die Attraktivität von Papierwährungen sinken kann. Da zahlreiche Notenbanken ihre Goldreserven seit vielen Jahren aufstocken, wirkt sich dies nicht nur auf die Nachfrage, sondern auch auf die Stimmung an den Goldmärkten positiv aus.

Hinzu kommen geopolitische Risiken. Kriege, Handelskonflikte oder Finanzkrisen führen regelmässig zu einer höheren Nachfrage nach sicheren Anlageformen. Gold profitiert in solchen Phasen häufig besonders stark.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Entwicklung des Dollars. Da Edelmetalle weltweit überwiegend in Dollar gehandelt werden, wirkt ein starker Dollar häufig belastend auf deren Preise. Umgekehrt kann ein schwächerer Dollar Edelmetalle unterstützen. Weil sich aber in den vergangenen Jahren das Ansehen und die Perspektiven des Dollars als Weltleitwährung eingetrübt haben, werden als Kaufargument für Gold häufig die fortschreitende Entdollarisierung und der seit Jahrzehnten zu beobachtende massive Kaufkraftverlust (Debasement) genannt.

Physische Edelmetalle oder Papier-Investments?

Privatanleger können auf unterschiedliche Weise in Edelmetalle investieren. Grundsätzlich wird zwischen physischen Investments und Papier-Investments unterschieden.

In physischer Form setzen Anleger vor allem auf Barren und Münzen. Viele Anleger schätzen dabei insbesondere den direkten Besitz ohne Kontrahentenrisiko. Physisches Gold gilt deshalb für zahlreiche Investoren als besonders wirksamer langfristiger Vermögensschutz. Allerdings bringt physischer Besitz auch Nachteile mit sich. Lagerung, Versicherung und Sicherheit spielen eine wichtige Rolle. Hinzu kommen gewichtsabhängige Aufgelder beim Kauf sowie mögliche Unterschiede zwischen An- und Verkaufspreisen.

ETFs/ETCs auf Gold und andere Edelmetalle bilden den Preis eines Edelmetalls nach. Teilweise sind sie mit echtem Metall hinterlegt, teilweise erfolgt die Wertentwicklung nur über Finanzgeschäfte. Physisch hinterlegte Produkte mit Lieferanspruch gelten als besonders sicher, weil das Metall tatsächlich eingelagert wird und bei Bedarf ausgeliefert werden kann. ETCs (Exchange Traded Commodities) sind die in Europa verbreitetste Form. Sie sind einfach handelbar, kostengünstig und transparent.

Eine weitere Möglichkeit sind Minenaktien, die indirekte Investments in Edelmetalle ermöglichen. Sie bieten eine Hebelwirkung auf den Edelmetallpreis – sowohl nach oben als auch nach unten. Mit ihnen sind allerdings zusätzliche Unternehmensrisiken wie Managementfehler, Kostenüberschreitungen oder politische Risiken im Förderland verbunden. Als reiner Vermögens- oder Inflationsschutz sind sie weniger geeignet, als Beimischung für renditebewusste Anleger aber durchaus interessant.

Zertifikate auf Edelmetalle sind Schuldverschreibungen des Emittenten, die ebenfalls den jeweiligen Edelmetallpreis nachbilden. Das bedeutet: Im Fall einer Insolvenz des Emittenten besteht das Risiko eines Totalverlusts des investierten Kapitals. Dieses Emittentenrisiko ist ein wesentlicher Nachteil gegenüber physisch hinterlegten Finanzprodukten oder echten Barren bzw. Münzen.

Von hochspekulativen Futures-Geschäften auf Gold, Silber, Platin oder Palladium sollten unerfahrene Privatanleger dagegen eher Abstand nehmen. Sie ermöglichen eine hohe Hebelwirkung und stellen im Grunde genommen eine kreditfinanzierte Spekulation mit hohem Risiko dar. Deshalb sind sie für Privatanleger ohne tiefes Fachwissen und ohne hohe Kapitalreserven nicht geeignet. Mögliche Nachschusspflichten oder Zwangsliquidierungen können nämlich erhebliche Verluste verursachen, die sogar das eingesetzte Kapital übertreffen können.

Warum Terminmärkte so wichtig sind

Viele kurzfristige Preisbewegungen bei Gold und anderen Edelmetallen lassen sich nicht allein aus Angebot und Nachfrage oder fundamentalen Entwicklungen erklären. Um sie zu verstehen, muss man einen Blick auf die Terminmärkte werfen. Die wichtigsten Handelsplätze für Edelmetalle sind die COMEX (Commodity Exchange) in New York und die LBMA (London Bullion Market Association). Hier werden täglich Millionen von Unzen Gold und Silber in Form von Futures gehandelt. Dies sind standardisierte Terminkontrakte auf eine zukünftige Lieferung zu einem heute vereinbarten Preis. Der weitaus überwiegende Teil dieser Kontrakte wird nie durch physische Lieferung erfüllt, sondern vor Ablauf durch einen Barausgleich glattgestellt.

Wichtige Indikatoren in diesem Zusammenhang sind neben den Umsätzen das Open Interest, die Lagerbestände sowie Margin Calls oder Terminstrukturen wie Contango und Backwardation. Der wöchentlich veröffentlichte CoT-Report („Commitments of Traders“) der US-Aufsichtsbehörde CFTC liefert ebenfalls interessante Hinweise, wie sich die verschiedenen Marktteilnehmer (Hedgefonds, Grossspekulanten oder kommerzielle Händler) an den Terminmärkten positioniert haben. Anleger können daraus ableiten, ob Optimismus oder Pessimismus überwiegt und, ob der Markt möglicherweise bereits überkauft oder überverkauft erscheint. Interessant für Marktkenner ist auch die Terminstruktur: Beim Contango ist der künftige Terminpreis höher als der aktuelle Kassapreis – eine normale Situation, die Lager- und Finanzierungskosten widerspiegelt. Beim Backwardation dreht sich das Verhältnis um: Der Kassapreis liegt über dem Terminpreis. Dies signalisiert eine ungewöhnlich hohe unmittelbare Nachfrage nach physischem Metall und gilt manchmal als Zeichen von Marktanspannung bis hin zu Lieferengpässen.

Für Privatanleger ist ein grundlegendes Verständnis der Terminmarktstrukturen wertvoll, um kurzfristige Preisausschläge nicht falsch zu interpretieren. Ein plötzlicher Goldpreisrückgang in einem geopolitisch angespannten Umfeld lässt sich oft mit Margin-Call-Verkäufen an den Terminmärkten erklären – nicht mit einem Vertrauensverlust in Gold.

Edelmetalle als Portfolio-Baustein

Viele Anleger nutzen Edelmetalle vor allem zur Diversifikation ihres Portfolios. Gold weist langfristig häufig eine negative Korrelation zu Aktienmärkten, Dollar und Zinsen auf und kann dadurch helfen, Schwankungen im Gesamtportfolio zu reduzieren. Allerdings sollten Edelmetalle nicht als alleinige Geldanlage betrachtet werden. Anders als Aktien oder Anleihen erzeugen sie keine laufenden Erträge. Die Rendite entsteht ausschliesslich über Kurssteigerungen.

Gerade Gold eignet sich daher für viele Investoren eher als Stabilitätsbaustein oder Versicherung gegen extreme Krisenszenarien. Silber, Platin und Palladium besitzen dagegen oft einen stark spekulativen Charakter.

Wie hoch der Edelmetallanteil im Portfolio ausfallen sollte, hängt stark von der Risikobereitschaft, vom Anlagehorizont und der Vermögensstruktur ab. Seit vielen Jahren rät pro aurum zu einem Edelmetallanteil von fünf bis 25 Prozent des Gesamtvermögens. Je nach Risikoneigung unterscheidet pro aurum drei Strategien: sicherheitsorientiert mit 100 Prozent Gold, wachstumsorientiert mit 80 Prozent Gold und 20 Prozent Silber sowie chancenorientiert mit 70 Prozent Gold und 30 Prozent Silber. Während Gold vor allem als Stabilitätsanker betrachtet wird, sieht pro aurum bei Silber zusätzliches Potenzial durch die steigende industrielle Nachfrage. Wichtig seien zudem sichere Lagerung, langfristiger Anlagehorizont und physischer Besitz.

Die Besonderheit bei Silber

Silber nimmt unter den Edelmetallen eine Sonderstellung ein. Das Metall verbindet monetäre Eigenschaften mit einer hohen industriellen Bedeutung. Gerade die Energiewende sorgt für eine steigende Nachfrage aus der Solarindustrie und Elektrotechnik. Gleichzeitig ist der Silbermarkt deutlich kleiner als der Goldmarkt. Dadurch reagiert der Preis oft wesentlich volatiler. Starke Kursbewegungen innerhalb kurzer Zeit sind keine Seltenheit. Hinzu kommt, dass ein grosser Teil der Silberförderung als Nebenprodukt anderer Metalle entsteht. Das Angebot kann deshalb häufig nur langsam auf steigende Nachfrage reagieren.

Steuerliche und praktische Aspekte

Steuerliche Fragen sind für deutsche Anleger besonders relevant – und hier bieten Edelmetalle einige Besonderheiten, die man kennen sollte.

Haltefristen und Steuerfreiheit

Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold und Silber sind in Deutschland nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr steuerfrei. Bei kürzeren Haltezeiten müssen die erzielten Gewinne zum persönlichen Steuersatz versteuert werden, falls die Freigrenze von 1.000 Euro pro Kalenderjahr überschritten wird. Diese Regelung macht physische Edelmetalle vor allem für Langfrist-Anleger steuerlich attraktiver als viele andere Anlageformen, bei denen meist die Abgeltungsteuer greift. Auf physisch hinterlegte ETCs mit Lieferanspruch gilt dieser Regelung normalerweise ebenfalls.

Mehrwertsteuer

Beim Kauf fällt ein wichtiger Unterschied auf: Anlagegold – also Goldbarren und bestimmte Goldmünzen – ist in Deutschland von der Mehrwertsteuer befreit. Bei Silber, Platin und Palladium hingegen wird Mehrwertsteuer fällig, was die Anschaffungskosten erhöht und die Renditeschwelle nach oben verschiebt. Wer Silber kauft, sollte deshalb besonders auf günstige Einkaufspreise und die spätere Wertentwicklung achten. Besonders interessant: Wer Weissmetalle über das Schweizer Zollfreilager von pro aurum kauft und verkauft, muss (selbstverständlich völlig legal) keine Mehrwertsteuer entrichten, falls die Ware das Lager nicht verlässt.

Fazit: Edelmetalle bleiben eine besondere Anlageklasse

Edelmetalle besitzen seit Generationen einen festen Platz im globalen Finanzsystem. Gold gilt bis heute als wirksamer monetärer Wertspeicher, während Silber, Platin und Palladium zusätzlich stark von industrieller Nachfrage beeinflusst werden.

Privatanleger sollten Edelmetalle als sinnvolle Ergänzung eines breit diversifizierten Portfolios interpretieren. Gleichzeitig sollten die Risiken aber nicht unterschätzt werden. Hohe Volatilität, Terminmarktmechanismen und geopolitische Einflüsse führen immer wieder zu starken Preisschwankungen.

Unterm Strich eignen sich Edelmetalle deshalb weniger als kurzfristige Spekulation, sondern eher als langfristiger Stabilitäts- und Diversifikationsbaustein innerhalb einer ausgewogenen Vermögensstruktur.

Bildnachweis: Ilja Enger-Tsizikov
Bildnummer: 1427587815
Bildquelle: iStockphoto.com


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